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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Jette aus Wiefelstede zu Gast bei Eckart von Hirschhausen

06.05.2019

Wiefelstede /Köln Es klingelt bei Familie von Deetzen aus Wiefelstede. Doch nicht nur das: Im Flur erstrahlen gleichzeitig weiße Blitze. Nur so weiß auch Jette jederzeit, dass ein Gast vor der Tür steht. Denn: Die Zehnjährige ist hörgeschädigt, wächst sowohl mit Cochlea Implantat (CI) als auch mit Gebärdensprache auf. Nun ist auch der Mediziner und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen auf die selbstbewusste Schülerin aufmerksam geworden, die im Sommer an die Oberschule in Wiefelstede wechseln möchte.

Mehrstündige Operation

Die Zehnjährige ist taub. Doch das erfuhr die Familie erst, als Jette bereits drei Jahre alt war – bis dahin sprach Jette kein einziges, richtiges Wort. Ein normales Hörgerät hilft von da an rund drei Jahre, ermöglicht ihr das Hören, und auch in der Sprachentwicklung macht sie große Fortschritte. Dann ertaubt sie mit sechs Jahren auf dem linken Ohr. „Sie hat das bewusst wahrgenommen – und war dementsprechend frustriert“, sagt Mutter Nadine von Deetzen. Die erste, mehrstündige Operation erfolgt, Jette wird ein CI eingesetzt. Nach weiteren zweieinhalb Jahren wird auch das rechte Ohr von Ärzten als „an Taubheit grenzend“ eingestuft. Eine weitere OP steht an. Zudem Reha mit Logopädie, Ergotherapie und Anpassungen.

Hört Jette jetzt wieder normal? „Nein“, sagt die 40-Jährige. Mit sechs Jahren musste Jette neu hören lernen, zeitgleich kam Gebärdensprache dazu. „Es ist ein komplett anderer Klang“, sagt Nadine von Deetzen. So musste Jette sich erst wieder an die Stimmen ihrer Eltern gewöhnen oder erkennen, wie sich Hundegebell anhört – und das mit den bekannten Geräuschen abgleichen. „Es hört sich an wie durchgängiges Kirchenglockengeläut, unter das eine Art Stimme gelegt ist“, sagt sie und Tochter Jette fügt hinzu: „Oder Mickey Mouse.“ Die Zehnjährige lacht. Mittlerweile mag sie auch wieder Musik hören.

Gebärdensprachkultur wichtig

„Nur mit den Cochlea Implantaten und der Gebärdensprache sind eine durchgängige Kommunikation und ein normales Leben möglich“, sagt Nadine von Deetzen. „Die Implantate sind für uns nur Technik – was ist, wenn diese einmal versagt?“ Zudem sei auch die Gebärdensprachkultur wichtig. So muss Jette stets das Mundbild ihres Gegenübers sehen, räumt mitunter störende Gegenstände, wie beispielsweise Blumen, vom Tisch. „Der Blickkontakt muss gewährleistet sein, um dem Gespräch folgen zu können.“ Und auch das Betreten ihres Zimmers ist besonders: „Wir machen immer das Licht an und aus, damit Jette merkt, dass wir da sind“, sagt Nadine von Deetzen und Jette fügt hinzu: „Ja, sonst erschrecke ich mich.“

Das Besondere: Nur selten beherrschen Menschen beides, CI-Hören und Gebärdensprache. „Bei uns geht beides – das versuchen wir zu vermitteln. Aber die Aufklärung im Bereich Gebärdensprache ist zu wenig“, sagt Nadine von Deetzen. So kamen sie im November 2017 über die Facebookgruppe „Gebärdensprache und CI? Na klar!“ darauf, Aufklärungsvideos zu filmen, auf dem Youtube-Kanal „Familie von Deetzen“ zu veröffentlichen und somit anderen Betroffenen Mut zu machen.

Dreh in Wiefelstede

Im Januar folgte dann die Überraschung: „Die Redaktion von Eckart von Hirschhausen hat angerufen, weil sie das Thema Hören aufgreifen wollte“, sagt Nadine von Deetzen. Das Fernsehteam kündigte sich für den 13. März zu einem Dreh in Wiefelstede an. Doch: „Am 19. Februar ist Jette ins Krankenhaus eingeliefert worden – sie lag zwei Tage auf der Intensivstation“, sagt ihre Mutter. Der Grund: „Die Ärzte stellten Diabetes Typ 1 fest.“ Insgesamt musste Jette zwei Wochen in der Klinik bleiben. Aber die Zehnjährige kämpfte tapfer und so stand nach der Entlassung auch dem Dreh nichts mehr im Weg.

Auftritt im Fernsehen: Jette von Deetzen ist am Donnerstag beim Quiz des Menschen an der Seite von Dr. Eckart von Hirschhausen zu sehen. (Bild: WDR/Max Kohr)

Eine Realisatorin, eine Redakteurin, zwei Kameramänner, ein Tonmann, eine Maskenbildnerin und natürlich Eckart von Hirschhausen besuchten Jette und begleiteten sie einen Tag lang durch ihren Alltag. „Er ist größer als im Fernsehen, aber sonst ein ganz normaler, netter Typ“, sagt Jette. Als dann die Frage kam, ob sie als Gast in die Sendung kommen möchte, war auch diese Frage schnell beantwortet: „Ja!“, sagte die Schülerin. So war es entschieden und Familie von Deetzen reiste vergangene Woche zum WDR-Studio nach Köln.

Quiz des Menschen

„Hirschhausens Quiz des Menschen“ mit Jette aus Wiefelstede ist am Donnerstag, 9. Mai, um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.

Lob von ehemaligem Tatort-Darsteller

Bereits am Tag vor der Aufzeichnung der Sendung wurden die Abläufe im Studio geprobt. Jette wurde von einer Maskenbildnerin abgepudert und frisiert, von einem Tontechniker verkabelt und anschließend von der Aufnahmeleiterin zu dem Tor geführt, durch das sie ins Studio gehen sollte. Eine sehr aufregende und ungewohnte Situation für Jette. Mit dem mittlerweile ehemaligen Tatort-Darsteller Oliver Mommsen sprach Jette über dessen Serientod und heizte gemeinsam mit Eckhard von Hirschhausen den Gästen vor der Show ein. „Das war gut“, sagt Jette. So habe sie das Publikum bereits vor der eigentlichen Show gesehen.

„Während ihres großen Auftritts saßen mein Mann Jörg und ich dann im Publikum“, sagt Nadine von Deetzen. „Es war so toll“, sagt Jette und lacht. Bei einem anschließenden Umtrunk wurde Jette von allen gratuliert. Oliver Mommsen drehte sogar noch ein kurzes Video mit Jette für ihren Youtube-Kanal. „Ich fand das spannend und es ist eine tolle Erfahrung gewesen“, sagt die Zehnjährige. Will sie wieder ins Fernsehen? „Ja!“, sagt sie und läuft nach nebenan – ein Freund hat geklingelt, das Licht im Flur blitzt noch.


Zum Youtube-Kanal geht’s unter   bit.ly/familie-von-deetzen 
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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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