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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Matrosen gehorchten nicht mehr

29.10.2018

Wilhelmshaven Was hat der Kieler Matrosenaufstand mit Wilhelmshaven zu tun? Nun, Kriegsschiffe aus Kiel lagen vor genau 100 Jahren, am 29. Oktober 1918, vor Wilhelmshaven. Nach dem Willen der Befehlshaber sollte die Flotte am 30. Oktober auslaufen und in einer Entscheidungsschlacht die englische Flotte bezwingen. Die Matrosen sahen darin einen nutzlosen Versuch, eine Kriegswende zu erzwingen, den sie mit ihrem Leben würden bezahlen müssen. Viele von ihnen verweigerten die Befehle. Die Flotte kehrte zurück nach Kiel, schon im Nordostseekanal wurden die ersten Meuterer gefangen genommen. Doch die Revolte ließ sich nicht mehr stoppen. In Kiel trafen die kriegsmüden Matrosen auf streikbereite Arbeiter. Die Revolution brach aus, und der Funke sprang rasch nach Wilhelmshaven über, wo es schon am 5. November zu Demonstrationen kam und bald ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet wurde.

Der Filmautor Jens Becker hat daraus ein Doku-Drama gedreht, das demnächst im Fernsehen zu sehen ist. An diesem Montag, 29. Oktober, wird es im UCI-Kino in Wilhelmshaven gezeigt. Der Film verwebt die Spielhandlung mit historischen Bildmaterial. In Interviews sind die Politiker Björn Engholm und Sahra Wagenknecht sowie Flottillenadmiral Kay-Uwe Schönbach zu erleben. Im Anschluss ist eine Diskussion mit dem Regisseur und der NDR-Redakteurin Ulrike Dotzer geplant.

Fakt ist, dass mit der Befehlsverweigerung vor Wilhelmshaven die letzten Tage der Monarchie in Deutschland begannen, die mit der Abdankung des Kaisers Wilhelm II. am 28. November 1918 (schon im Exil im niederländischen Amerongen) endete – Reichskanzler Max von Baden hatte den doppelten Verzicht auf Kaiserkrone und preußische Königswürde etwas eigenmächtig bereits am 9. November verkündet. Die Nachricht von den streikenden Arbeitern und Matrosen in Kiel erreichte bald Wilhelmshaven und auch Ostfriesland und das Oldenburgische.

Die politische Entwicklung hatte eine Eigendynamik entwickelt, die von den Mächtigen nicht mehr beherrscht wurde. Die wegen Befehlsverweigerung in Wilhelmshaven verhafteten Matrosen wurden am Tag darauf, 6. November, in Bremen befreit. In Oldenburg dankte Großherzog Friedrich August II. am 11. November ab. Es begann für den Nordwesten eine Doppelherrschaft. Formell bestand die Sozialistische Republik Oldenburg-Ostfriesland, ausgerufen vom USPD-Mann Bernhard Kuhnt, daneben das Landesdirektorium Oldenburg, eine Art provisorische Regierung (der Kuhnt formell als Präsident vorstand), das den Freistaat Oldenburg (und nicht die preußische Stadt Wilhelmshaven) regierte. Im Frühjahr 1919 endete der Traum der sozialistischen Republik: Ein Freikorps besetzte das Wilhelmshaven.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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