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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

nwz öffnet Türen 2016: Wo der Fasching 50 Wochen Ruhe hat

09.12.2016

Ganderkesee Der alljährliche Ausnahmezustand in Ganderkesee hat einen Namen: Fasching. Und eine Zeit: Meistens im Februar, gelegentlich auch schon mal bis in den März hinein, konzentriert sich das närrische Treiben auf drei turbulente Wochenenden – krönender Abschluss ist stets der Fasching um den Ring, der Umzug durch den Ort mit Dutzenden aufwendig dekorierten Festwagen, Tausenden kostümierten Teilnehmern und Zehntausenden feiernden Zaungästen. Vier Tage später ist immer Aschermittwoch und alles vorbei. Und wo bleibt der Fasching dann?

Der alljährliche Ausnahmezustand in Ganderkesee hat auch einen Ruheort: In einer riesigen Halle am Ortsrand von Ganderkesee wird alles gelagert, was der Narr zum Feiern braucht – vom tonnenschweren Prinzenwagen bis zur kleinsten Schraube für die Büttenabend-Dekoration.

Fester Platz seit 2001

Die Garten- und Landschaftsbaufirma Heitmann hat bei der Betriebserweiterung 2001 bewusst groß geplant: Die eine Hälfte ihres 1500 Quadratmeter umfassenden Hallenneubaus stellten die Brüder Uwe und Holger Heitmann, selber große Faschings-Fans, der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) zur Verfügung. Damit hatten die jahrzehntelangen Provisorien, in denen Festwagen und Faschings-Equipment über verschiedene Bauernhöfe, Handwerker-Hallen und private Keller im Ort verstreut waren, endlich ein Ende und die GGV eine zentrale Lagerstätte.

„Alles was zum Fasching gehört, steht hier drin“, sagt Holger Heitmann, als er die fünf mal fünf Meter große Schiebetür zur Seite zieht und den Blick in die Lagerhalle freigibt. Nur ist das, was der Besucher sehen will, gut verpackt: Dicke Plastikfolien hüllen 50 Wochen im Jahr die sechs großen Festwagen der GGV ein, die in der Halle ihren Parkplatz haben, ganz dicht nebeneinander, um keinen Quadratmeter Lagerplatz zu verschwenden. Erst in der Woche vor dem Umzug werden die Hüllen entfernt und die närrischen Fahrzeuge hergerichtet für die Runde um den Ring. Tonnenweise Kamelle, Bonschen und anderes süßes Wurfmaterial müssen auch noch verstaut werden, ehe die Zugmaschinen anrollen.

Vor den Wagen stehen vier große, blaue Transport-Container, voll mit Bauteilen und Werkzeug für die Büttenabend-Bühne und dem, was sonst noch alles aufgebaut und angebracht wird, um eine nüchterne Gymnasiums-Sporthalle für zwei Wochen in einen kunterbunten Narren-Tempel zu verwandeln – ein paar hundert Quadratmeter Tanzboden gehören auch dazu. Daneben und dazwischen stehen mehrere hundert Absperrgitter für die 3,5 Kilometer lange Umzugsstrecke, die Kassenhäuschen, 18 Stück an der Zahl, die am Faschingssamstag um den Ortskern verteilt werden, Holzelemente, Fahnen, Schilder und, und, und...

Nur Eingeweihte wissen, was wo und wie verstaut und wieder hervorgeholt wird. Das sind die Leute vom Bühnenaufbaukommando, kurz Büko. Zwei Dutzend Männer – die Arbeitsbienen des Faschings. Rolf Wieting ist schon seit 45 Jahren dabei. Der 79-Jährige hat auch die meisten Wagen konstruiert, die vom Büko gebaut wurden, damit Tollitäten und Kappenträger angemessen um den Ring rollen können. Faschings-intern sind sie sogar mit seinem Kürzel nummeriert: „RoWi I“ ist der Prinzenwagen, der 1990 aus einem Milchtransporter gebaut wurde, „RoWi II“ der Wagen für das GGV-Präsidium in Form einer Kutsche, die von einem imposanten Ganter mit Narrenkappe gezogen wird – Baujahr 1998. „Gewünscht war eigentlich der ganze Wagen in Form eines Ganters“, erinnert sich Wieting, „aber das war in der Praxis unmöglich.“

Ein Schloss für Kinder

„RoWi III“ ist sein jüngster Wurf, auch schon wieder sieben Jahre alt: der Wagen für das Kinderprinzenpaar, der wie ein Schloss mit Garten aussieht. Mehr als 1000 Stunden Arbeit hat das Büko darin investiert. Zunächst musste der dreiachsige Auflieger, den vorher die Firma Umweltschutz Nord für ihre Transporte genutzt hatte, um vier Meter verkürzt und auf zwei Achsen umgerüstet werden – „damit der Wagen beim Umzug überhaupt um die Ecken kommt“, so Wieting. Denn an manchen Stellen ist die Strecke um den Ring ziemlich unrund und eng. Auch in der Höhe müssen die Wagenbauer Kompromisse machen. Straßenlaternen und Baumkronen könnten einen liebevoll gezimmerten Aufbau jäh in eine Bruchbude verwandeln.

Brücken problematisch

Und das wäre besonders schade beim Kinderprinzenwagen, in den rund 80 Quadratmeter Sperrholz und 30 Meter Stoff verarbeitet wurden. „RoWi III“ ist 4,70 Meter hoch. Beim Umzug ist das kein Problem – der Ring hat keine Brücken. Wenn die Nachwuchstollitäten indes außerhalb Ganderkesees wohnen und abgeholt werden sollen, ist spätestens vor der Autobahn-Unterführung Endstation.

Nach dem Umzug werden die Festwagen wieder in der Heitmann’schen Halle eingeparkt, dicht an dicht und genau nach Plan. „Im Laufe der Jahre hat sich die Logistik eingespielt“, erklärt Holger Heitmann. „Was wir nach dem Fasching reparieren müssen, wird so abgestellt, dass wir da gut rankommen.“ Zu tun ist immer etwas im Faschings-Lager. Die Männer vom Büko haben in der Halle ihre Werkstatt mit Gruppenraum, sie treffen sich dort jeden Donnerstag. Wenn es mal nichts zu schrauben gibt, bleibt halt mehr Zeit zum Schnacken.

Nur im Sommer machen sie Pause, treffen sich höchstens mal zu Ausflügen. Diese paar Wochen im Jahr ist es absolut ruhig am Ruheort des Faschings.


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Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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