WESTERSTEDE/FELDE - Die Besucher der Kapellenmusik Felde waren begeistert. Die Schüler waren es auch.
von horst suermann
WESTERSTEDE/FELDE - Wo Stargitarrist Joscho Stephan mit seinem Quartett spielt, swingt der Saal. So war es in der Kapelle Felde, so war es in der Aula des Gymnasiums. Denn die vier Musiker – Joscho Stephan (Gitarre), Günter Stephan (Rhythmusgitarre), Max Schaaf (Bass) und Sebastian Reimann (Geige) – sind dank Sponsoren-Hilfe erneut aufgetreten: Mittwochabend beim Kapellenkonzert, gestern morgen bei einer mitreißenden Unterrichtseinheit zum Thema Swing im Gymnasium.Im Gymnasium bestand das Publikum aus rund 150 Schülern der Jahrgänge 7 bis 9 um Musiklehrer Markus Sarwas. „Bei Jazz-Soli darf man auch während des Stückes klatschen“, verriet er seinen Schülern – und das taten sie denn auch zunehmend häufiger und zunehmend lauter.
Am Kontrast zwischen Klassik und „Gipsy-Swing“ machtes Geiger Sebastian Reimann theoretisch und praktisch auch den Unterschied klar: Die Klassik, sagt er, sei „gerade“, die Jazz-Improvisation eher nicht. Dort, wo der Klassiker die Betonung der Noten setze, vermeide der Jazz-Musiker eher diese Betonung. Und das Tempo ist gelegentlich das eines D-Zuges; ein „hot“ gespieltes Mozart-Rondo hätte dem Altmeister vermutlich die Verwunderung in die Augen getrieben. Den Schülern aber gefiel’s auch wenn sie eine kurze Eingewöhnungsphase brauchten. Amelie (12) beispielsweise beeindruckte besonders, dass „die so schnell spielen“. „So etwas“, sagt sie, „habe ich noch nie gehört“. Auch im Gespräch mit den Musikern tauen die Schüler schnell auf. Wie alt Stephan sei, wollen sie wissen („27“), wann er aufhören wolle („mit 78“), wie lange er übe („Drei Stunden täglich“), ob er einen Beruf gelernt habe („Ja, den des Buchhalters – der schont die Finger und garantiert ein freies Wochenende“) und
schließlich, ob er auch CDs verkaufe („Ja, davon leben wir“). So gefiel’s auch den Musikern. „Prächtiges Publikum“, meinte Joscho Stephan – nicht ohne hinzufügen, dass „wir selten soviel Beifall gehabt haben“.
Das galt auch für Felde, wo das Quartett vor 180 Zuhörern in der voll besetzten Kapelle auftrat – ähnlich wie im Gymnasium mit Gipsy-Swing nach klassischer Django- Reinhardt-Weise, Eigenkompositionen und dem Hochgeschwindigkeits-Mozart. Noch stärker als im Gymnasium aber kamen in der stilvollen Atmosphäre der alten Kapelle die traumhafte Sicherheit der Musiker, ihr fantasievolles Spiel und die große Intensität ihres Vortrags zur Geltung.
Da bei alledem der Eindruck der Musiker vom Publikum genau so gut ausgefallen ist, wie der Eindruck des Publikums von den Jazzern, hat Stephan gleich ein weiteren Termin festgemacht: Die Teilnahme an den von Veranstalter Holger Harms-Bartholdy geleiteten „Neuenburger Gitarrentagen“ im Herbst 2007.
