Westerstede/Ihausen - Strahlender Sonnenschein, die Bienchen summen, es ist ruhig und typisch idyllisch im Rhododendronpark Hobbi in Westerstede – Bis der namibische Chor „Thlokomela“ während einer Besichtigungstour durch den Park Pause macht und eine kleine Gesangseinlage gibt. Das entzückt sogar einen Gärtner, der mit seinem Bagger anhält, um mit breitem Lächeln zuzusehen. Die Namibier sind auf Deutschlandtournee und treten auch in Westerstede auf. Eine Woche sind sie zu Gast bei dem Ihauser Chor „Gospel Souls“. Die Zeit wird auch für Aktivitäten genutzt.
Singen mit Lebensfreude
Die Sänger geben – zusammen mit dem Ihauser Chor – einen Einblick auf das, was Gospelliebhaber am Donnerstagabend, 6. Juni, um 19.30 Uhr in der St.-Petri Kirche in Westerstede erwartet (Eintritt frei, Spenden erbeten). Wie viel Lebensfreude in ihnen steckt, zeigen sie zum Beispiel mit dem Lied „We walk his way“. Die kraftvollen Stimmen werden von einer Djembé rhythmisch begleitet. Auch Tanz und gemeinsames Klatschen gehören zum Gospel dazu. Die positive Stimmung, die die Sänger dabei versprühen, wirkt ansteckend und verleitet zum Mitsingen und Mittanzen. Diese Erfahrung hat die Chorleiterin von den Ihauser „Gospel Souls“, Jasmin Harbers, bereits bei einem Konzert in Leer gemacht: „Wir haben wirklich in der Kirche getanzt“, sagt sie begeistert. „Das habe ich noch nie erlebt.“
Seit 2009 kommt der namibische Chor alle zwei Jahre nach Deutschland und gibt Benefizkonzerte. Mit den Einnahmen finanzieren sie die Chorarbeit, die sie in ihrer Heimat nahe der namibischen Hauptstadt Windhoek leisten, in dem etwa hundert Mitglieder aktiv sind. Besonders Jugendliche finden hier eine Anlaufstelle in einem ansonsten harten Alltag mit wenig Perspektive.
15 von ihnen sind mit Chorleiter Dawid Hensel Sauber seit Anfang Mai auf Deutschlandtournee. In zwei Monaten steuern sie 13 Städte an. Dabei stand Westerstede stand zunächst gar nicht auf dem Plan. Der Kontakt entstand zufällig. „Ein Familienmitglied von uns machte eine Rundreise durch Namibia“, berichtete Harbers im Mai der NWZ. Während der Tour habe er ein Konzert von „Thlokomela“ besucht. Als er – zurück in der Heimat – davon erzählte, beschloss der Ihauser Chor kurzerhand, die Namibier nach Westerstede einzuladen.
Workshop für Schüler
Eine Woche lang sind die Jugendlichen hier in Gastfamilien untergebracht. Nach einem Konzert in Leer folgt das in Westerstede. Auch eine Stadtführung durch Westerstede steht noch an. In einem Workshop – einmal mit dem Ihauser Chor und einmal mit 80 Chorschülern des Gymnasiums Westerstede – wollen sie mit den Deutschen nicht nur singen und tanzen, sie berichten auch aus der Heimat.
Wilhelmina ist zum ersten Mal mit nach Deutschland gereist. Ihre ersten Eindrücke? „Das Wetter wechselt ständig, und wenn man Zug fährt, muss man ziemlich häufig umsteigen.“ Vor einem Jahr ist sie dem Chor beigetreten. „Ich singe seit meiner Kindheit“, sagt die 20-Jährige, die ihre Leidenschaft jetzt im Chorsingen ausleben kann.
