WESTERSTEDE - WESTERSTEDE - Das Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs mit seiner festlichen, hellen und zugleich innigen Grundstimmung lockt Jahr für Jahr zahlreiche Besucher in die Kirchen. Angenehm, dass diesmal die Westersteder „Cappella Vocale“ unter ihrem Chorleiter Uwe Wegert an das Konzert vor zwei Jahren anknüpfte und diesmal die etwas seltener gehörten Teile 4 bis 6 des Oratoriums zu Gehör brachte.

So wurde man gleich zu Beginn in gewohnte warme Bachklänge gehüllt, mit einem dezent musizierenden und sauber intonierenden harmonischen Chor, der Kammersymphonie Hannover als einfühlsamen und stilsicheren Begleitapparat und einem akzentuierten und doch behutsamen Dirigat des Chorleiters Uwe Wegert. Hier wie auch in den übrigen Sätzen der drei Kantaten wählte Wegert straffe, federnde Tempi, bei denen dennoch ausgewogene Linien- und Kantilenenführung nicht vernachlässigt wurden. Er führt den Chor klar und ohne Schnörkel durch die unterschiedlichen Partien, teils zurückhaltend in den Chorälen, teils sehr dynamisch und energisch durch die übrigen Chorsätze.

Den einzelnen Chorsängern war die Freude beim Musizieren deutlich anzumerken, sie reagierten geschlossen und einheitlich in der Gestaltung insbesondere der heiklen Übergänge und Tempowechsel, zu Beginn etwas weniger kraftvoll aber dann im sechsten Teil des Werkes sehr viel gelöster.

Die Solisten des Abends, allesamt Absolventen der Hamburger bzw. Hannoveraner Musikhochschulen, harmonierten in ihrem stimmlichen Timbre hervorragend miteinander und fügten sich in den Gesamtklang zu Chor und Orchester gut ein.

Der Tenor Wolfgang Tiemann überzeugte in den secco Rezitativen durch klare Aussprache und stilistisch einwandfreie musikalische Gestaltung. Hingegen in den accompagnato Rezitativen wie auch in seinen Arien fehlte es hier seiner Stimme bisweilen an Ausdrucksstärke und insbesondere in den höheren Lagen an Substanz. Kirsten Iltgen-Tiemann (Sopran) gefiel durch eine besonders klare und fein vibrierende Stimme, leider nicht immer ganz gut verständlich.

Sowohl die Altistin Claudia Erdmann als auch Roman Tsotsalas (Bariton) glänzten in ihren Arien und Rezitativen mit angenehm warmen Stimmen, musikalisch sehr souverän gestaltend und in ihrer Artikulation sehr deutlich. Besonders im Terzett des fünften Teils und im letzten Rezitativ des Oratoriums kamen die homogene Klanggestaltung der Solostimmen zum Tragen. Als Gesamteindruck bleibt ein geschlossenes musikalisches Konzept, das den Appell der Freude, die Intention der Bachschen Musik spüren lässt.