Westerstede - Eine sportliche Leistung für eine musikalische Herausforderung: In nur sieben Monaten hat die neue Kantorin der Stadt Westerstede, Karin Gastell, mit dem St.-Petri Chor ein Reformationskonzert auf die Beine gestellt – und sich mit Werken von Johann Sebastian Bach keine leicht zugängliche Musik herausgesucht: „Jede Generation muss Bach neu enträtseln, und für jeden Musiker ist er eine Herausforderung“, sagt die studierte Kirchenmusikerin, die erst seit April in Westerstede als Kantorin arbeitet.

Und so lautet der Konzerttitel: „Bach weiter denken und empfinden“. Gastells persönlicher Wunsch: „Dass die Besucher am Ende sagen: ,So habe ich Bach noch nie gehört’.“ Aber: „Natürlich darf man auch einfach nur zuhören“, sagt die Chorleiterin lachend.

Damit das gelingt, nähern sich die Kantaten für Soli, Chor und Orchester von Bach, Hensel, Mendelssohn sowie Bearbeitungen von Leopold Stokowski dem Komponisten auf drei Wegen: über die Komposition, das Instrumentarium sowie über die Bearbeitung. Nicht-Musiker werden an dieser Stelle etwas unverständlich gucken: Bei der Komposition geht es darum, dass in den am Donnerstag aufgeführten Kantaten von Felix Mendelssohn-Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel nicht zu überhören ist, dass Bachs Musik wesentliche Inspirationsquelle für ihr Komponieren war.

„Ebenso interessant wie Bachs Einfluss auf nachfolgende Komponisten ist für mich auch, dass seine Musik im Laufe der Zeit mit unterschiedlichen Mitteln aufgeführt wurde. Heutige Zuhörer schätzen die Aufführung Alter Musik mit historischen Instrumenten, deren Ziel es ist, die Musik möglichst so erklingen zu lassen, wie sie zu Bachs Zeit geklungen haben könnte“, erklärt die Kantorin. Vor diesem Hintergrund tauscht die Oboisten Nina Westermann für die Aufführung der Bachkantate auf die barocke Oboe d’amore, deren „lieblicher“ Klang als wärmer beschrieben wird als der Klang der modernen Oboe.

„Es war der Wunsch des Chors, ein großes Konzert einzustudieren. Umso mehr freue mich nun auf die Premiere in Begleitung des Collegiums Instrumentale St. Petri !“, sagt Karin Gastell.

Katja Lüers
Katja Lüers Reportage-Redaktion