Westerstede - Es ist fast sechs Meter hoch und 2,50 breit, entwickelt bei Sonnenschein eine starke Leuchtkraft und verändert das Farbspiel je nach Blickwinkel: das Glasmosaik des Künstlers Georg Schmidt-Westerstede. Lange war das 1968 geschaffene Kunstwerk von der Öffentlichkeit unbemerkt geblieben, denn es hing in der früheren Apostolischen Kirche drinnen im Altarbereich.
Mit dem Umzug der Gemeinde ins neu errichtete Gotteshaus an der Kuhlenstraße sollte es einen neuen Platz bekommen, nämlich an der Außenfassade. Und hier zeigt sich, welche Wirkung das aus 60 000 bis 75 000 Steinchen zusammengesetzte Kunstwerk besitzt. Davon konnten sich am Dienstagabend die Teilnehmer einer Feierstunde überzeugen, als das Kreuz in der Dunkelheit erstmals mit Scheinwerfern angestrahlt wurde.
Öffentlichkeitsbeauftragter Jan Fitzner ließ die Geschichte der Kirche und des Mosaiks noch einmal Revue passieren. So war das Kunstwerk, das ein großes Kreuz zeigt, vor gut 50 Jahren beim Bau des ersten Kirchengebäudes zur Verschönerung der Altarwand in Auftrag gegeben worden. Nachdem ein Neubau beschlossen worden war, sollte das Mosaik mit umziehen. „Gemeinsam mit unserem Architekten Gottfried Fink entwickelten wir die Idee: Das Kunstwerk wollen wir mit der Stadt und ihren Bewohnern teilen – es muss nach draußen“, erklärte Fitzner.
Geboren wurde der Künstler 1921 in Wilhelmshaven, aufgewachsen ist er in Westerstede. Aus Verbundenheit mit seinem Heimatort nennt er sich später Georg Schmidt-Westerstede. 1982 verstarb er in Oldenburg.
Zunächst erlernt Georg Schmidt das Malerhandwerk, entdeckt aber schon bald seine Liebe zur Kunst und bildet sich fort. 1952 bis 59 folgen erste Auftragsarbeiten zur Kunst am Bau; in den Jahren 1959 bis 77 bilden Glasmosaike den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens. Es entstehen aber auch Reliefs aus Beton, Klinkern, Bronze, Leichtmetall, Schiefer, Holz sowie Skulpturen aus Bronze, Beton und Glas.
Seine Werke finden sich in Westerstede, Oldenburg und darüber hinaus. In der Ammerländer Kreisstadt gibt es gleich mehrere Standorte. Hier nur eine Auswahl der öffentlich zugänglichen:Glasmosaik „Von Ostpreußen ins Oldenburger Land“, Foyer des Hansa-PflegezentrumsGlasmosaik „Pferde“, Fassade des Amtsgerichts Sgraffito Sportgruppe, Fassade der Kreisvolkshochschule Sgraffito Spielgruppe, Fassade der Kreisvolkshochschule Glasmosaik Christus, Altarraum der Evangelischen Kirche Halsbek Glasmosaik „Arche Noah“, Gemeinschaftsraum des DRK-Kindergartens Glasmosaik „Fische - Hummer - Krabben“, rückwärtige Fassade des Rathauses Glasfenster, AOK-Symbol mit Ammerländer Wappen, im Durchgang vom Altbau zum NeubauGlasmosaik „Kreuz“, Fassade der Neuapostolischen Kirche Relief aus Beton mit Einlagen aus Glasmosaik, Fassade des Verwaltungsgebäudes von Otte-Beton Glasmosaik-Fries, Komposition in Blau, Anton-Günther-Straße 3 Glasmosaik-Fries, „Die vier Jahreszeiten“, Breslauer Straße 90 Fassadengestaltung des Hochregallagers der Firma Steinhoff-Möbel Wandbild, Europakarte, Treppenhaus der früheren Hössenschule Wandbild/Fresko, Berufsbilder, im ursprünglichen Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes der AOK (jetzt Sekretariat) Glasmosaik, Kreisgebiet Ammerland. Im Sitzungssaal des Polizeigebäudes, ursprünglich Kreisamt Glasfenster im Aufenthaltsraum der früheren Neuapostolischen Kirche, Boomsende 11, es gibt bereits eine Idee für eine neue Verwendung Metallrelief, Ammerländer Motive, Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes der AOK Brunnenskulptur aus 6 Reliefplatten aus Bronzeguss, Ammerländer Flora, Eingang zur AOK Reliefs aus Beton, Treppenhaus der Robert-Dannemann-Schule, Gebäude 4
Von der Stiftung für Kunst und Kultur habe man die notwendige finanzielle Unterstützung bekommen. Denn für den Umzug musste das Mosaik aufwendig abgenommen und wieder zusammengefügt werden. Zudem erhielt es eine wetterbeständige Versiegelung. „Damit kommt auch unser Kirchenbau an sein Ende, und wir schließen mit diesem Ereignis unser Bauprojekt ab“, sagte Fitzner.
Das Mosaik sei ein wunderbarer Kunstgegenstand, lobte Landrat Jörg Bensberg. Das Motiv, ein Kreuz, verbinde alle Christen. Die vielen tausend Steinchen ergäben zusammen ein prächtiges Gemeinschaftsgebilde. „Jedes, ob strahlend oder matt, ist ein wichtiges Stück des Ganzen“, zog er Parallelen zur Glaubensgemeinschaft.
Bürgermeister Klaus Groß zeigte sich ebenfalls beeindruckt. Das Mosaik sei eine Bereicherung des Stadtbildes.
Melanie Schneider von der Stiftung für Kunst und Kultur erinnerte in ihrer Ansprache an den Lebenslauf des 1982 verstorbenen Künstlers, der sich aus Verbundenheit mit der Stadt Georg Schmidt-Westerstede nannte. Das Mosaik zeige ein Kreuz mit dem Wasser des Lebens und der aufgehenden Sonne. Bei Sonnenschein und dem richtigen Blickwinkel leuchte das Kreuz in strahlendem Goldton.
An der Feierstunde nahm auch die Familie des Künstlers teil und freute sich über die Wertschätzung dessen Werks.
