WESTERSTEDE - Zum ersten Mal nutzte die Vortragsvereinigung das Jasper-Anwesen. Quadflieg ist fasziniert von Kästners Esprit.

Von oTto Renken

WESTERSTEDE - Christian Quadflieg kam, sprach – und begeisterte: Auf Einladung der Vortragsvereinigung präsentierte der bekannte Schauspieler im rustikalen Stallambiente des Jaspers-Anwesens (Am Hochkamp) Verse, Prosa und biografische Notizen unter dem Motto „Gemischte Gefühle“ über einen Großen der Deutschen Literatur, Erich Kästner. Und die über 150 Gäste, die der Vorsitzende der Vortragsvereinigung, Dr. Jan-Freerk Müller, in dieser ungewöhnlichen Umgebung begrüßen konnte, erlebten einen fesselnden Abend. Der sprachgeschulte Quadflieg stellt eine ganze Theatergruppe dar: Er liest Kästner und spielt ihn auch – mit mimischen Mitteln. Hier ein spöttisches Grinsen, da die Stirn fragend in Falten gezogen, dort heruntergezogene Mundwinkel, mal laut, mal leise. Seine Auswahl von Gedichten beschreibt einen Bogen durch die verschiedenen Lebensalter des Menschen und der Jahreszeiten. Und mit drei Kurzgeschichten stellt Quadflieg auch den humoristischen Erzähler Kästner vor.

Erich Kästner, das ist für viele der Autor der berühmten Kinderbücher: „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“, „Pünktchen und Anton“ oder „Das doppelte Lottchen. „Der Ruf Kästners als Kinderbuchautor überstrahlt den wirklichen Schwerpunkt seines Werkes – die Gedichte. Zu Unrecht, wie ich finde!“, stellte Quadflieg zu Beginn des Abends dar. Um dann mit nahezu 40 Gedichten den Beweis gleich mitzuliefern. Kästner, der Mann der stillen Pointe, die immer zugleich auch Nachdenklichkeit erzeugt, Kästner als genauer Beobachter, Kästner als Visionär, „Kästners bewundernswertes Esprit“ – und mehr.

Vortragsvereinigungs-Vorsitzender Dr. Müller äußerte an diesem Abend zwei Wünsche: Dass die Stadt Westerstede beim Umbau des Jasper-Anwesens den Stall für Veranstaltungen – wie diese – herrichten möge. Und dass mindestens ebenso viele Besucher zur nächsten Veranstaltung am 12. Mai, dem Konzert mit Gottfried Böttger, kommen mögen.