WESTERSTEDE - Auch für junge Leute sei Heimat wieder ein Wert, sagte Lucke bei der Landschaftsversammlung in Westerstede. Viele Menschen sehnten sich nach Orientierung in schwieriger Zeit.

Von Hans Drunkenmölle

WESTERSTEDE - Als Reflex auf die Globalisierung bekommt die Heimat für viele Menschen immer stärkere Bedeutung. „Heimatgefühl und das Verwurzeltsein in der Heimat gehören zu den Werten einer menschlichen Gesellschaft“, sagte Horst-Günter Lucke, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, bei der 60. Landschaftsversammlung am Sonnabend in Westerstede.

Die gegenwärtige Wertedebatte habe allerdings nichts mit Konservatismus oder einer Rückwendung zum Ewig-Gestrigen zu tun, betonte Lucke. Sie bedeute vielmehr, „dass viele Menschen Bezugspunkte in ihrem Leben brauchen, an denen sie sich orientieren und in schweren Zeiten Halt finden können“.

Bei der Beschäftigung mit der Geschichte könne es nicht darum gehen, alles zu bewahren, nur weil es alt und ehrwürdig sei. Die Oldenburgische Landschaft sehe vielmehr ihre Aufgabe darin, „ein modernes Heimatbewusstsein zu fördern, das dem Einzelnen die Chance gibt, sich mit seiner Region zu identifizieren“. Heimatgefühl, das nichts zu tun habe mit Heimattümelei, sei mehr als nur eine rückwärts gewandte Sehnsucht, sagte Lucke, nämlich „der Wunsch nach einer sicheren Existenz in der Gegenwart, einer vertrauten Umgebung und nicht zuletzt die Möglichkeit, diese in eigener Verantwortung zu gestalten“.

Auch in der jungen Generation gibt es nach den Worten des „Landschafts“-Präsidenten eine „neue Zuwendung zur Heimat“. Deshalb seien insbesondere auch junge Menschen die Zielgruppe einer Publikation über das Land Oldenburg, die in einem Jahr präsentiert werden soll. Autor des Buches mit dem Arbeitstitel „Das Oldenburger Land – Ein starkes Stück Niedersachsen“, ist der Journalist und ehemalige NWZ -Regionalchef Rainer Rheude, die Fotos macht der frühere NWZ -Fotograf Peter Kreier.

Mit dem Kulturpreis der Oldenburgischen Landschaft wurde in Westerstede die aus Rumänien stammende Oldenburger Komponistin Violeta Dinescu ausgezeichnet. Damit werde „ein musikalisches Lebenswerk von großer Bedeutung“ gewürdigt, hieß es. Violeta Dinescu habe dafür gesorgt, dass zeitgenössische Musik im kulturellen Leben des Oldenburger Landes ihren Platz habe.

Zum Ehrenmitglied der „Landschaft“ wurde Erwin Fritzsche ernannt. Der 97 Jahre alte Oldenburger (er war früher Kreisvorsitzender des DGB) ist das letzte lebende Mitglied der Oldenburg-Stiftung, der Vorgängerin der „Landschaft“.

Drei Frauen aus dem Ammerland galt Luckes besonderes Präsidenten-Lob für langjähriges ehrenamtliches kulturelles Engagement: Die Theaterpädagogin Sylvia Meining (Rastede) begeistert ein großes Publikum mit ihren kleinen „Theater Orlando“, Agnes Hattermann (Wiefelstede-Neuenkruge) hat sich intensiv um die Erhaltung der plattdeutschen Sprache verdient gemacht und Anne Sudbrack (Apen-Augustfehn) begeistert nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene mit ihrem Puppentheater.