WESTERSTEDE - Was das Schweigen eines Menschen so alles bewirken kann, wurde am Sonntag in der Aula des Gymnasiums Westerstede deutlich. Die Theater-AG der Europaschule hatte an diesem Abend Premiere mit dem Stück „Yvonne, Burgunderprinzessin“ von Witold Gombrowicz. Mit der Groteske über das Verdrängen von eigenen Schwächen und Fehlern begeisterten die Schüler der Theater-AG die zahlreichen Besucher der fast ausverkauften Vorstellung.
Lethargie weckt Geister
Der gelangweilte Prinz Philipp (Hendrik Loysa) ist der Damenwelt ein wenig über-drüssig. Um seine Freunde Cyrill und Zyprian (dargestellt von Jann Eyhusen und Eike Christian Ahlers) zu schockieren, verlobt er sich mit der hässlichen Yvonne (Hedda Schattanik). Mit ihrer Lethargie und Wortkargheit provoziert sie nicht nur die Hofdamen (Mareike Henken und Alke Rickels), sondern ruft auch bei Königin Margarethe (Ava Dühring) und König Ignaz (Mattes Schmerdtmann) Schwächen und längst vergessene wunde Punkte hervor.
Philipp ist von der schweigsamen Yvonne fasziniert, findet sie aber auch wieder abstoßend. Sie wird mit ihrem Verhalten zu einem Spiegelbild der Protagonisten mit deren eigenen Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen. Innozenz (Joost Ackermann) und die Hofdame Isa (Anneke Meyer) entziehen sich den Spannungen auf unterschiedlicher Weise. Der Kammerherr (Nico Linn) glaubt, die Lösung für das „Problem“ Yvonne zu kennen.
Seit 1990 besteht die Theater-AG des Gymnasiums Westerstede, der Schüler der Klassen 9 bis 13 angehören. Jeweils zum Schuljahresbeginn wird unter Leitung von Clemens Höxter eine dramatische, epische oder lyrische Vorlage adaptiert. Das Bühnenbild, zuständig dafür war Jan Agena, entsprach den Empfindungen der Personen in diesem Zweiakter mit mehreren Sequenzen. Es drehte sich ständig im Kreis, wurde manchmal geöffnet und blieb manches Mal geschlossen. Optisch war es das Spiegelbild der menschlichen Psyche, unterstützt durch zahllose Tennisbälle, die am Anfang die Bühne und später immer mehr den Bereich zu den Zuschauern füllten.
Noch eine Aufführung
Wer am Sonntagabend bei der Premierevorstellung nicht dabei war, hat ein komisches und gleichzeitig nachdenkliches Stück mit hervorragenden Darstellern verpasst. Am heutigen Dienstag wird das Werk des polnischen Autors Witold Gombrowicz noch einmal ab 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums Westerstede aufgeführt.
