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Literatur Wie an einem knisternden Kaminfeuer

Jens Milde

Nordenham - Natascha Manski hat ein Heimspiel am Donnerstagabend in der Jahnhalle. Und sie genießt es. Sie sitzt in einer Korona aus gelbem Licht und liest aus ihrem Buch. „Seebestattung“ – ihr zweiter Roman ist gerade erst erschienen. Ein paar Dutzend Exemplare hat Buchhändlerin Anne von Bestenbostel kunstvoll auf einem alten Turnkasten drapiert. Natascha Manski und Anne von Bestenbostel kennen sich schon ewig. Sie sind zusammen in den Kindergarten und in die Grundschule gegangen. Jetzt schreibt Natascha Manski Bücher, Anne von Bestenbostel verkauft sie.

Bekannte im Publikum

150 Besucher sind in die Jahnhalle gekommen. Und natürlich gibt es eine besondere Verbindung zwischen der Autorin und ihrem Publikum. Natascha Manski ist eine von ihnen. Sie ist ein Krimi-Fan durch und durch. Sie ist in Nordenham aufgewachsen, hat hier gelebt und gearbeitet. Seit einigen Jahren wohnt sie in Hannover. Es sitzen viele alte Freunde im Publikum, Familienmitglieder, Bekannte. Es ist gemütlich wie an einem knisternden Kaminfeuer. Alle hören gebannt zu, als Natascha Manski aus dem ersten Kapitel ihres Romans vorliest. Sie lassen sich bereitwillig hineinziehen in die Geschichte um einen mysteriösen Mord. Und das Kopfkino ist den Gesichtern förmlich abzulesen, als die Autorin jene Passage liest, in der ein bemitleidenswerter Schüler an einem Wattensteg in Butjadingen die arg ramponierte Wasserleiche findet, die den Ermittlern so viele Rätsel aufgibt.

Es ist mucksmäuschenstill in der Jahnhalle. So still, dass einige Besucher erschrocken zusammenfahren, als über ihren Köpfen plötzlich ein Rauschen zu hören ist. Es ist die Lüftung, die unvermittelt anspringt. Durchatmen. In der Pause gibt’s Cocktails. „Seebestattung“ ist eine giftgrüne, aber wohlschmeckende Mixtur aus Himbeere, Rum, Mangosirup, Limonen- und Maracujasaft. Natascha Manski schlürft lieber an der alkoholfreien Variante namens „Verkehrskontrolle“.

Kein Sachbuch

Die 41-Jährige erklärt ihrem Publikum, dass ein Roman kein Sachbuch ist. Da kann man der Rechtsmedizin nicht wochenlang Zeit geben, um eine Leiche zu untersuchen. Trotzdem ist Natascha Manski natürlich um Authentizität bemüht. Dabei helfen ihr Experten. Einer von ihnen ist Uwe Thöle, der bis vor kurzem noch den Kriminal- und Ermittlungsdienst der Nordenhamer Polizei geleitet hat.

Zum Abschluss der Lesung plaudert Natascha Manski mit dem pensionierten Kripo-Chef über Fiktion und Wirklichkeit. Uwe Thöle erzählt, dass er 1975 in Brake zum ersten Mal mit einem Tötungsdelikt zu tun hatte und damals ganz alleine ermitteln musste. Inzwischen würden ganze Teams mit bis zu 20 Mitarbeitern gebildet, wenn es darum geht, ein Tötungsdelikt aufzuklären. Auf die Frage nach ungelösten Fällen, die der Polizei noch immer unter den Nägeln brennen, erinnert sich Uwe Thöle an ein Tötungsdelikt, das sich Anfang der 90er-Jahre in der Reithfelder Straße in Nordenham ereignet hatte. „Das habe ich bis heute nicht vergessen.“

Die Frage, worüber er sich besonders ärgere, wenn er einen Krimi liest oder sich im Fernsehen anschaut, beantwortete Uwe Thöle wie aus der Pistole geschossen: „Wenn sich die Kollegen in den fiktiven Geschichten nicht an Recht und Gesetz halten.“ Beim Roman von Natascha Manski hat Uwe Thöle zwar mitgeholfen. Gelesen hat er ihn aber noch nicht. „Dazu bin ich noch nicht gekommen. Das werde ich aber auf jeden Fall beim nächsten Dänemark-Urlaub nachholen.“

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