Tweelbäke - Die Klassentür der Oberstufenklasse a öffnet sich und herein kommt ein junger Mann. Er sitzt in einem Elektrorollstuhl und steuert diesen mit seinen Fingern; eine der wenigen Bewegungen, die der junge Mann selbstständig ausführen kann. Hinter ihm betritt ein zweiter Mann den Klassenraum.
Der junge Mann im Rollstuhl heißt Matthias Giese (Bild), seine Begleitung ist Timo Sudmann, sein persönlicher Assistent. Die beiden sind ein eingespieltes Team, als sie ihren Laptop an den Beamer anschließen, die Boxen ausrichten und sich überlegen, wie der Rollstuhl am besten stehen kann.
Im Film „Ziemlich beste Freude”, der im vergangenen Jahr zahllose Zuschauer ins Kino lockte, beschäftigt der Millionär Philippe ebenfalls einen persönlichen Assistenten, Driss. Mit der Finanzierung von Driss sollte Philippe doch wenige Schwierigkeiten gehabt haben. Bei Matthias Giese ist dies anders. Erst die Nutzung des persönlichen Budgets hat ihn dazu in die Lage versetzt und ihm damit ein großes Stück an Selbstbestimmung und Lebensqualität ermöglicht. Als Persönliches Budget erhalten Menschen mit Behinderung Geld als Teilhabeleistungen anstelle einer traditionellen Sach- oder Dienstleistung. Mit dem Persönlichen Budget werden sie vom Empfängern zu Arbeitgebern, die selbst bestimmen können, wer, wann und was für sie leisten sollen.
Über das Persönliche Budget als solches und seine eigenen Erfahrungen damit, informierte Giese die Oberstufenschülerinnen und -schüler an der Schule Borchersweg, die er als Schüler selbst von 1998 bis 2004 besucht hatte.
Matthias Giese bezieht seit nunmehr fünf Jahren das Persönliche Budget und ist damit sehr zufrieden. „Am Anfang war es schon ein ziemlicher Aufwand, mit all den Anträgen“, so der 27-Jährige, „aber für mich hat es sich gelohnt. Nun bin ich der Chef.“
Mit Timo Sudmann, einem ausgebildeten Heilerziehungspfleger, hat er auch einen Menschen gefunden, der als persönlicher Assistent zu ihm passt. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren ist er Gieses persönlicher Assistent. „Es ist ganz wichtig, dass man sich auch so gut versteht. Man verbringt viel Zeit zusammen und ohne Sympathie geht da nichts“, beschreibt Sudmann seine Arbeit.
