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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Wie ein Badearzt baden geht

08.06.2010

OLDENBURG 1882 schrieb Henrik Ibsen den „Volksfeind“ – so alt und so aktuell. Und so aus dem Leben gegriffen, dass die Oldenburger Premiere des Stückes im Kleinen Haus des Staatstheaters problem- und bruchlos in der Pause im Foyer fortgesetzt werden kann und sich die Zuschauer unvermutet als Statisten in einer gespielten Bürgerversammlung wiederfinden, die den eben noch gefeierten Helden zu eben jenem Volksfeind erklärt, der dem Stück seinen Titel gab.

Giftige Kloake

Der Kunstgriff von Regisseur Jasper Brandis, die Aufführung im entscheidenden Moment in der Realität spielen zu lassen, darf durchaus als fulminant gelten. Zum einen, weil er damit die von Ibsen entlarvten gesellschaftlichen Mechanismen seinerseits als nach wie vor gültige Wahrheiten in Szene setzt. Zum anderen, weil er damit dem Stück, halb komisch, halb tragisch, das bei ihm anfangs ins Klamaukhafte abzudriften drohte, die zwingende Wucht und Spannung verleiht.

Der „Feind“ im Kurbad ist Kurarzt Dr. Stockmann (Gilbert Mieroph), der herausfindet, dass das vermeintlich gesunde Wässerchen von Bakterien verseucht ist. Eine giftige Kloake, an der offenbar die von seinem Schwiegervater betriebene Gerberei schuld ist. Beim Bau der Badeanstalt wurde offensichtlich gepfuscht. Der rechtschaffene, aber reichlich naive Stockmann will die Missstände sogleich ans Licht und in die Öffentlichkeit bringen. Doch die „kompakte Majorität“ seiner Mitbürger – inklusive der Presse –, die er hinter sich weiß, beginnt flugs zu bröckeln, als der Bürgermeister, sein Bruder, androht, die Sanierungskosten für die Wasserleitungen an den Steuerzahler abzuwälzen.

Der Regisseur scheut sich nicht, die Figuren als zeitlose, bevorzugt an der Rampe spielende Typen einer Farce anzulegen statt als Vollblut-Charaktere. Was der Inszenierung keineswegs schadet, sondern eher die Allgemeingültigkeit und Aktualität von Ibsens Demokratieschelte betont. Der Bürgermeister erscheint selbstredend als aalglatter, taktierender Politiker, den Bernhard Hackmann als pomadigen Unsympath spielt, Zeitungsredakteur Hovstad (herrlich wetterwendisch: Klaas Schramm) gibt in seinem karierten Anzug schon äußerlich eine ziemliche windige Figur ab, und der opportunistische Vorsitzende des Hauseigentümerverbandes bekommt von Vincent Doddema exakt jene als Besonnenheit getarnte Feigheit, die ihn gefährlich macht. Auch die kleineren Rollen – etwa Caroline Nagel als leicht sauertöpfische Ehefrau oder Thomas Lichtenstein als gerissener Gerbermeister – sind hervorragend besetzt.

Liebenswerter Narr

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An den Spitzen der Gesellschaft und ihren wirtschaftlichen Interessen scheitert der bedauernswerte Stockmann. Mieroph spielt ihn ausdrucksstark in Mimik und Gestik als fanatischen, trotzigen Idealisten, der sich in zweifelhafte Rhetorik versteigt. Ein liebenswerter Narr, der am Ende völlig isoliert ist.

Nach zweieinhalb Stunden und gut ausgenutzter Pause lang anhaltender Beifall. Nicht erst in der nächsten Saison auf dem Fliegerhorst, auch im angestammten Haus weiß das Publikum pfiffige Ideen zu schätzen.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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