Oldenburg - Thomas Mohr hat alle Register gezogen. Um ein Orgel-Requiem der Komponistin Hanne Darboven (1941–2009) ins Bild zu setzen, bestieg er vor einiger Zeit den Turm der Hamburger Sankt Petri Kirche, in der die Musik entstanden war. 544 Stufen ging er hinauf und wieder hinab. Jede einzelne hielt Mohr von oben und unten mit der Kamera fest.
„Das war ganz schön anstrengend“, erzählt der 62-Jährige vor der Leinwand im Oldenburger Pulverturm. Dort präsentiert das Edith-Russ-Haus für Medienkunst ab Sonnabend das Ergebnis – die Videoinstallation „544/544 (up/down)“.
„Das Werk kann hier seine Wirkung ausgezeichnet entfalten“, lobt der Konzeptkünstler die Akustik des historischen Gewölbes aus dem 16. Jahrhundert. Mohrs Video basiert auf 1528 digitalen Fotografien – darunter die Treppenstufen –, die er passend zu Darbovens Requiem in Szene setzte. Die ersten vier Motive sind noch gut erkennbar, ehe immer mehr Einzelfotos in schneller Folge über den Schirm flimmern. Wie bei einem Fernseher mit akuter Bildstörung. Dazu ertönt die Orgel, die bis nach draußen auf den Stadtwall dringt.
In Anlehnung an ihr Vorbild Johann-Sebastian Bach und die Zahlensymbolik barocker Musik sei Darboven bei ihren Kompositionen streng mathematisch vorgegangen, erklärt Marcel Schwierin, Leiter des Edith-Russ-Hauses. Mohr wiederum übertrage die Klänge mit seiner Computersimulation auf die Architektur des Gebäudes.
„Der Turm verfügt über eine ähnliche Akustik wie eine Kirche. Da er rund ist, wird der Schall hier allerdings überall gebrochen“, sagt Schwierin. Und der schmale Backstein ähnelt dem Bildformat mit seinen kleinteiligen Sequenzen.
Mohr, der in Bremen aufwuchs und in Amsterdam lebt, präsentiert sein neunminütiges Werk in Oldenburg erstmals öffentlich. „Der Pulverturm klingt“, freut sich Schwierin über die Ton-Bild-Installation und hofft, die Neugier beim Publikum geweckt zu haben. Bis zum Eingang sind es schließlich nur 15 Stufen.
