Wildeshausen/Hanstedt - Die Küche von Robert Wirth könnte ohne Weiteres als Kulisse für einen Film über einen Künstler herhalten: An den hohen Wänden hängen Bild an Bild, Gemälde wie Collagen. Auf Anrichten stehen Skulpturen und „Items“, wie Wirth sie nennt: „Die Itemisierung von Gegenständen“, erklärt Wirth an einem Beispiel: einen Ast, angemalt und mit Schokoladenpapier beklebt, der nun aussieht wie ein bekleidetes Lebewesen.
Film über fünf Künstler
Ein Zimmer weiter, in der „blauen Kammer“ – benannt nach der Wandfarbe – dasselbe Bild. Doch stehen hier, in Wirths „Denkschmiede“, zwischen den vielen Figuren auch Fotos seiner Töchter.
Tatsächlich hat die Küche von Robert Wirth schon als Filmkulisse gedient – und nicht nur sie, sondern das ganze Haus. Der Film heißt „Percy – Alles muss raus“ und ist ein Film über fünf Künstler – unter anderem über Robert Wirth. „Der Film lohnt sich. Er ist sehr witzig“, lautet Wirths Meinung.
Regisseur Dieter Voigt hat sowohl Wirth als auch vier andere Künstler eine Zeit lang begleitet und ein filmisches Porträt erstellt. Eine Dokumentation, die vielleicht gar keine ist, wie die Filmproduktionsfirma Divofilm beschreibt. Voigt hat seine Protagonisten rein zufällig ausgewählt. Neben dem „dadaistischen Bildgestalter Wirth“ aus Hanstedt sind das der Parodist Jörg Knör, die Sängerin Alin Coen, die Pianistin Younee und die Grafikerin Jeannine Platz.
Zunächst zeige Regisseur Voigt alle einzeln, doch im Laufe des Films füge sich das Puzzle zusammen, heißt es – „wenngleich auch niemals bis zum letzten Teil“.
Einen ähnlichen Eindruck bekommt man im Haus von Robert Wirth. Der 72-Jährige lebt seit 1977 in diesem Haus – viel Zeit, um für Dekoration zu sorgen. Früher war er Schiffsjunge, das war Anfang der 1960er Jahre. „Ich war in Kanada auf See, im Winter“, erinnert er sich. Dann war er lange Flieger in England. Jetzt verdient er sein Geld mit dem Verkauf seiner Kunstwerke.
Regisseur Voigt lernte Wirth in Hamburg kennen, als er dort seine Ausstellung „Fadenscheinig“ auf 1000 Quadratmeter im Sprinkenhof präsentierte. Da sei die Zusammenarbeit für einen fünfminütigen Film über Wirth gestartet, erklärt er. Und dann ging es weiter.
Auch der Titel des Films sei sozusagen in seinem Haus entstanden, erzählt Wirth: „Dieter hat Percy bei mir getroffen. Percy ist als Mastgans zu mir gekommen und hat acht Jahre mit mir gelebt.“
Den Blick neu schärfen
Premiere feierte der Film am 26. März im „Savoy“ in Hamburg. Dort habe er vor einiger Prominenz als Einführung eine banale Geschichte über eine Aldi-Kassiererin erzählt, mit der er einmal ein Gespräch angefangen hatte. „Mir geht es darum, den Blick neu zu schärfen, Bilder zu sehen und alltägliche Dinge genau zu beschreiben“, erklärt Wirth. Dafür empfiehlt er, in den Wald zu gehen. Dort sehe er oft schon in herumliegenden Ästen die Gesichter, die er dann aus ihnen herstellt.
Am 18. Juni ist der Film „Percy – Alles muss raus“ um 11.15 Uhr im Lili-Servicekino in Wildeshausen zu sehen. Da gibt es auf jeden Fall einen Einblick in seine bunte Küche – ob er auch seine Aldi-Geschichte erzählt, bleibt abzuwarten.
