Hude - Das Kind will partout nicht sein Zimmer aufräumen, seine Zähne putzen, die Mutter arbeiten lassen. Die Eltern bitten zunächst höflich, dann werden sie lauter und schreien ihr Kind schließlich an – eine Situation, die vielen Eltern bekannt sein dürfte. „Wege aus der Brüllfalle“ zeigte Petra Klarmann vom Kinderschutzzentrum Oldenburg am Montagabend im Kindergarten Gänseblümchen. Rund 30 Eltern und Erzieherinnen sahen den gleichnamigen Film von Wilfried Brüning.

Zunächst stellte Klarmann das Kinderschutzzentrum Oldenburg vor, eine Fachberatungsstelle für Eltern, Kinder und Fachkräfte. Im Film gehe es darum, als Eltern sichtbar zu werden, so Klarmann. „Eltern wollen, dass es ihrem Kind gut geht“, sagt sie. „Aber es reicht nicht, Freund und Partner des Kindes zu sein. Eltern müssen Grenzen setzen.“

Das sieht auch Carola Lippstreuer so. Sie ist seit 2011 Beratungserzieherin und bietet regelmäßig thematische Elternabende in den kommunalen Kindergärten an. „Kinder müssen lernen, Grenzen zu akzeptieren“, sagt Lippstreuer. „Eltern brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, Grenzen tun den Kindern gut.“

Eigentlich wissen das alle Eltern, doch in alltäglichen Stresssituationen gerät dies manchmal in Vergessenheit. Der Film zeigte Fallen, in die Eltern immer wieder tappen, und gab Tipps zur Vermeidung dieser Situationen. Im ersten Teil wurde der Kreislauf beschrieben, den viele Eltern kennen: Die Kinder machen einfach nicht, was die Eltern wollen. „Nein“, „Gleich“ oder „Ich muss erst zu Ende spielen“, heißt es. Eltern fühlen sich provoziert und werden immer lauter: die Brüllfalle. Schreien führt aber zu Aggressivität bei den Beteiligten und der Weg von verbaler zu körperlicher Gewalt ist kurz.

Im zweiten Teil wurde anschaulich dargestellt, warum Kinder oft so ablehnend reagieren. Als „Hüllenwesen“ sind sie in ihre Welt versunken und nehmen nur wahr, was sie interessiert. Aufräumen gehört definitiv nicht dazu. Ihre Ablehnung ist nicht als Provokation gemeint, sondern besagt, dass sie Spielen und Entdecken wichtiger finden als Aufräumen. Erreichen können Eltern ihr Kind über das „Kontakten“. Sie sollen sichtbar werden, ihr Kind direkt anschauen, Körpersprache einsetzen und in kurzen, einfachen Sätzen sprechen, um in die „Hülle“ einzudringen.

Abschließend wurden „Stolpersteine“ in der Erziehung aufgezeigt und Tipps zur Vermeidung gegeben. Im Gespräch tauschten die Eltern ihre Erfahrungen aus und suchten nach kreativen Lösungen für konkrete Situationen.