Zu meiner Vision der Freiheit gehört, dass Freiheit auf Visionen verzichten kann und auch heute noch ein Leben außerhalb des Netzes möglich bleibt. Dazu gehört zum Beispiel auch das begreifbare Geld in der Hand, damit nicht Banken oder andere Zahlungsverwaltungssysteme einem die Geldhähne virtuell zu- oder aufdrehen können.

Freiheit darf sich nicht auf die Empörungsfreiheiten konzentrieren, die Menschen in eine politische Weltverbitterung hineinhalluzinieren lässt. Informationsfreiheit ist ein sehr hohes Gut. Fremdenangst ist zum Beispiel auch eine Angst vor Wettbewerb. Und das in einer Zeit, in der allein die Entwicklung der technischen Kommunikation mehr an unseren Lebensgewohnheiten ändert als jede Zuwanderung.

Es ist vielleicht simpel: Freiheit messe ich an dem Erleben unerwarteter Dinge, die in eine positive Richtung führen. Deshalb nehme ich mir auch jetzt die Freiheit, eine Episode zu schildern, die ich kürzlich in Bremen erlebte.

In einer amerikanischen Fastfood-Kette am Bahnhof (Entschuldigung, da gehe ich sonst natürlich nicht rein!) esse ich um 23 Uhr noch etwas. Ein älterer Mann neben mir in der Schlange, ein klitzekleinwenig angetrunken, bestellte dialektverzerrt immer wieder eine Thüringer Bratwurst, und die Verkäuferinnen aus verschiedenen Gegenden der Welt wussten überhaupt nicht, was er meinte.

Er lallte, sie verstanden ihn kaum, obwohl alle sehr gut Deutsch sprachen. Schließlich nahm der Mann etwas anderes. Und die drei Verkäuferinnen (eine aus einem slawischen Land, eine aus der Türkei, ein schwarzer Mann) tauschten ihre Gedanken aus: aus welcher Gegend der Welt der Mann wohl käme? Wie schade es sei für sie, das nicht zu erkennen, und wie wichtig es für ihn und jeden anderen werde, rechtzeitig Deutsch zu lernen.

Umgehend mischte ich mich ein und erklärte die identitätsstiftende Wirkung der Bratwurst unter anderem für einen Thüringer. Da lasse ich dem Leser nun alle Deutungsfreiheit.