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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Wieder Leben im legendären Keller

09.06.2017

Garlstedt /Bremen Die Tür zum Keller öffnet sich, die Band Sturmflut spielt einen Gassenhauer aus vergangenen Zeiten. Hinter ihnen schauen, ebenfalls aus der Vergangenheit, die Mitglieder der Musikgruppe Boney M auf die Zuhörer.

Die Coverband Sturmflut feiert ihr 20. Bühnenjubiläum in einem Keller in Garlstedt (Landkreis Osterholz) und nimmt die Geburtstagsgäste mit auf eine Zeitreise – auch aufgrund der Liedauswahl, aber vor allem aufgrund des Ortes. Denn der Keller liegt unter dem ehemaligen Haus von Michael „Mike“ Leckebusch, dem Erfinder des legendären Beat-Clubs und des Nachfolgeformats „Musikladen“, das von Dezember 1972 bis November 1984 in insgesamt 90 Folgen in der ARD lief.

Studio erhalten

Fast wirkt es so, als wäre Leckebusch, der vor 17 Jahren verstorben ist, nur mal kurz weg und käme gleich wieder. An den Mischpulten, die im hinteren Teil der Kellerräume zu finden sind, kleben Notizzettel an den Reglern. „Die meisten Anlagen funktionieren noch“, erklärt Siegfried „Sigi“ Zaft. 2008 hat der gebürtige Bremer, der als Selbstständiger im Bereich Flugsicherheit arbeitet, das Haus gekauft.

Erst bei der Besichtigung des teilweise noch im Rohbau befindlichen Hauses sei der Name Leckebusch gefallen. Ein Name, mit dem Zaft Jugenderinnerungen verbindet. Denn als Jugendlicher verdiente er sich etwas Taschengeld als Helfer bei Radio Bremen – dabei begegnete er unter anderem den beiden Moderatoren des Musikladens, Uschi Nerke und Manfred Sexauer.

Die Band Sturmflut macht Pause, und der Elsflether Keyboarder der Band, Andreas Stasierowski, schaut im Keller-Pub des Anwesens vorbei. „Kaum zu glauben, wer hier schon alles gesessen haben soll“, staunt Stasierowski immer wieder beim Anblick der erhaltenen Einrichtung. Eine Einrichtung, die Leckebusch tatsächlich aus zwei Pubs in Irland übernommen und in seinem Keller wieder aufgebaut hat.

Andreas Stasierowski ist aber mehr als nur Keyboarder, er ist auch ausgebildeter Tonmeister. Und als solcher hat er das Tonstudio im Keller unter seine Fittiche genommen. „Als Sigi mich gefragt hat, ob wir das machen wollen, habe ich zuerst gefragt, ob er damit Geld verdienen will.“ Als die Antwort „Nein“ lautete, erklärte sich Stasierowski zur Zusammenarbeit bereit, denn: „Mit einem Tonstudio kann man heute kein Geld mehr verdienen.“ Aber man kann Musikern dabei eine Chance geben, und so wollen die beiden Musikliebhaber mit dem neu gegründeten „Cross Art Records Studio“ unter anderem mit der Hochschule für Künste in Bremen kooperieren.

Die Technik ist weiterhin analog, obgleich die eigentlichen Anlagen modernisiert wurden. „Wir haben über eine Tonne an Kabeln hier rausgerissen“, erinnert sich Stasierowski.

Obwohl in Garlstedt nur wenige Beiträge für den Musikladen gedreht wurden, ist das Haus und sein Keller unter Weggefährten von Mike Leckebusch und seiner Frau Marlies bekannt. „Phil Collins war ein guter Freund der Leckebuschs“, weiß Zaft. Aber auch Anni-Frid, Agnetha, Björn und Benny von ABBA sollen schon im Haus übernachtet haben. „Und die Spieler und das Management von Werder Bremen waren auch sehr oft hier zu Besuch“, hat Zaft herausgefunden.

Zeugnisse von früher

Nicht nur das Haus und Teile der Einrichtung hat Zaft übernommen, auch Hunderte Videokassetten mit Originalaufnahmen und Zehntausende Fotos. „Marlies Leckebusch hat die meisten Bilder gemacht“, erklärt Zaft, der das Vermächtnis des Musikladens jetzt hütet. Ein erster Bild-Kalender ist schon erschienen.

Zur „Neueröffnung“ des Musikladens kamen auch einige Weggefährten aus den Beat-Club- und Musikladenzeiten. Unter ihnen auch Evelyn Frisinger, die – so sagt sie selbst – den Minirock nach Bremen gebracht hat. Den brachte sie aus ihrer Zeit als Au-Pair-Mädchen aus London mit. Aber nicht nur das: „Ich hatte einen Presseausweis, ich weiß gar nicht mehr so genau, wie das kam“, erinnert sie sich an die Jahre 1966 und 1967 zurück.

Und dieser Ausweis öffnete ihr Tür und Tor, unter anderen traf sie Jimi Hendrix. Als die damals 19-Jährige zurück nach Bremen kam, war sie also auch mit der damals neuen und modernen Rockmusik infiziert. Genau wie Mike Leckebusch, der für den Beat-Club noch eine Kostümbildnerin brauchte. „Obwohl das Anpassen von Miniröcken jetzt nicht so aufwendig war“, lacht Evelyn Frisinger amüsiert auf.

Die ersten Buchungen für das Tonstudio liegen schon vor, langsam kehrt wieder Leben in den legendären Musikkeller ein.


Mehr Infos unter   www.facebook.com/a.stasierowski/ 
Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743

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