WIEFELSTEDE - Der Oldenburger mit Wochenendhaus in Mollberg zeigt Fotos auch zweier Mitstreiter. Zu sehen ist eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt – und eine überaus bizarre Landschaft.
Von Claus Stölting
WIEFELSTEDE - Sir Arthur Conan Doyle nutzte den Roraima als Kulisse für seinen 1912 erschienenen Roman „The lost World“ und ließ Professor Challenger und seine Kollegen auf dem Tafelberg nach Wesen einer längst vergangenen Welt suchen – nach Dinosauriern.Die hat Günter Hahn dort oben in 2875 Metern Höhe im Südosten Venezuelas nicht gefunden, wohl aber Pflanzen, die endemisch sind, also ausschließlich auf den abgeschiedenen Plateaus der Tafelberge wachsen. Im Alter von 70 Jahren stieg der heute 80-jährige Oldenburger, der schon lange ein Wochenendhaus in Mollberg besitzt, mit drei weiteren Mitstreitern den Roraima hinauf und durfte einen Blick auf eine phantastische Landschaft werfen, in der er sich teils fühlte, als „wäre man auf dem Mond“. Eine Ausstellung mit Fotos dieser einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und der Reise dorthin wird am morgigen Sonntag, 25. Februar, um 11.15 Uhr im Heimatmuseum Wiefelstede eröffnet. Titel: Inseln über dem Regenwald“.
Es war ein Diavortrag nach einer Expedition der Uni Oldenburg zu diesem Tafelberg, die Günter Hahn neugierig gemacht hatte. 1997 machte er sich auf die Reise – mit 70 Jahren. Bei nur wenigen der insgesamt 115 Tafelberge – den Tepuis – ist eine Besteigung überhaupt möglich, weiß Hahn. Das Plateau der meisten ist nur mit einem Hubschrauber zu erreichen. Ihre Felswände ragen senkrecht Hunderte von Metern aus dem tropischen Regenwald über die Wolken hinaus. Der Roraima mit seinen 2875 Metern ist der höchste aller Tafelberge. Sein Name bedeutet „Mutter aller Flüsse“ – zu Recht, denn bei ihm entspringen die Zuflüsse des Esequib (British Guayana), des Orinoco (Venezuela) und des Amazonas (Brasilien).
Und eine Fügung der Natur hat – auch durch Erosion – eine Art Rampe geschaffen, anderthalb Kilometer lang mit einer Steigung von 45 Grad – das Tor zum Plateau. „Fünf Stunden dauert der Aufstieg“, erinnert sich Hahn, der froh war, drei Indios als Träger dabei zu haben. So musste er nur seinen Fotoapparat unter der Regenjacke mitnehmen.
Zwei Übernachtungen unter einem Felsüberhang, ein ganzer Tag auf dem Plateau, dann war schon wieder Schluss: Dichter Nebel, der Wochen andauern kann, machte am zweiten Tag in einer aufregenden Landschaft die ganze Mannschaft so gut wie blind.
„Ans Fotografieren war da nicht mehr zu denken“, nennt Hahn einen Grund, warum die Gruppe wieder hinunterstieg. Ein weiterer: Die Lebensmittel waren zu knapp bemessen.
Die Fotos, die Günter Hahn damals an nur einem Tag in geringem Umkreis vom Lager gemacht hat, werden in der Wiefelsteder Ausstellung gemeinsam mit Fotos zweier seiner damaligen Mitstreiter gezeigt. Einführen in das Thema wird zur Eröffnung am Sonntag Prof. Dr. Wolfgang Eber, Biologe an der Universität Oldenburg.
Die Ausstellung ist bis zum 25. März jeweils sonnabends von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet im Heimatmuseum Wiefelstede, Hauptstraße 11.
