Wiefelstede - Es ist nicht viel, das an Carl Johann Heinen – geboren 1922 in Spohle – erinnert. Nicht einmal ein Foto gibt es von ihm noch. 1945 – kurz nach Kriegsende – starb er in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Er war 23 Jahre alt. Dem an Epilepsie leidenden Heinen war dort medizinische Hilfe und eine ausreichende Menge an Nahrung verweigert worden. Verwandte gibt es nicht mehr. Seit Montag erinnert nun ein „Stolperstein“ vor dem Rathaus in Wiefelstede an dieses Opfer der Nationalsozialisten (siehe auch Infokasten).

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte den „Stolperstein“ in Wiefelstede selbst. So macht er es immer. 63 500 hat er seit 1992 schon in vielen Ländern zur Erinnerung an Opfer der Nazis verlegt. Sie sind sein dezentrales Mahnmal. Die Marke „Stolpersteine“ hat er sogar schützen lassen. Auf einem Stein hat er eine quadratische Messingplatte befestigt, auf der in Wiefelstede an Carl Johann Heinen erinnert wird. Es ist der erste „Stolperstein“ im Ammerland.

Möglich gemacht hatten die Aktion im vergangenen Schuljahr Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses „Religion“ der Oberschule Wiefelstede, die – obwohl sie die Schule bereits verlassen haben – am Montag ebenso an der Steinverlegung teilnahmen wie ihr Lehrer Gunnar Stumm, Tessen von Kameke als Vertreter der oldenburgischen Kirche, der derzeit an die Oberschule abgeordnet ist, sowie Vertreter der Gemeinde, der Kirchengemeinde, der Oldenburgischen Landschaft und der Landesschulbehörde. Die Schüler hatten sich im Wahlpflichtkursus „Religion“ mit „psychischen Erkrankungen“ befasst, dabei auch die Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen und dort die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ besucht. Dort stießen sie mit Hilfe des Oldenburger Historikers Dr. Ingo Harms auf Carl Johann Heinen und beschlossen, für ihn einen „Stolperstein" verlegen zu lassen. Unterstützt wurde die Aktion vor dem Rathaus auch vom Schulchor, der unter Leitung von Karolin Dettmer Leonard Cohens „Hallelujah“ sang. In einer anschließenden Feierstunde in der Mensa der Schule erinnerte Schulleiterin Jutta Klages daran, „dass gerade wir als Schule die Pflicht haben, uns zu erinnern.“