WIEFELSTEDE - Endlich Urlaub. Den hatten wir Frauen nach den vergangenen, doch recht nervenaufreibenden Wochen in unserer Einrichtung doch nötig. Für etwa drei Wochen ging es an die Karibikküste – über Weihnachten und Neujahr.
Als wir an der Küste ankamen, da hatten wir erstmals das Gefühl, wirklich in Südamerika zu sein. Die Häuser sahen ein wenig ärmlicher aus und waren fast alle aus Lehm gebaut. Das Leben spielt sich auf der Straße ab. Alle Leute sitzen meist in großen Gruppen vor ihren Häusern und essen, unterhalten sich oder arbeiten dort.
Unsere erste Station an der Küste war Cartagena, eine kleine, im Kolonialstil erbaute Stadt. Ein Ausflug führte uns zu einem nahe gelegenen Vulkan, gut 28 Meter hoch. Im Inneren findet sich Schlamm, der wohl mehrere tausend Meter tief in die Erde reicht. Wir legten uns hinein. Schwimmen konnten wir nicht, untergehen aber auch nicht – ein seltsames Gefühl. Gottlob konnten wir den Schlamm in einem See wieder abwaschen. Etwa fünf Tage verbrachten wir in Cartagena, flogen dann kurz vor Weihnachten auf eine kleine, einsame Insel. In der Nähe von Cartagena gibt es die Islas de Rosario – 27 kleine Inseln, auf denen man Urlaub machen kann. Die größte ist die Isla Grande. Kaum Menschen waren dort, weil es auf Weihnachten zuging und die Touristen alle erst Anfang Januar erwartet wurden. Wir hatten dort ein kleines Hotel ohne fließend Wasser und Strom. So verbrachten wir fast den ganzen Tag nur am türkisfarbenen Meer oder erkundeten die Insel. Weihnachten feierten wir Mädchen also sehr besinnlich. Wir sangen spanische Weihnachtslieder, zündeten ein paar Kerzen an und machten es uns unter einem wunderschönen Sternenhimmel gemütlich. Nie hatte ich bis dahin einen so schönen Sternenhimmel gesehen wie auf dieser Insel.
Nach Weihnachten zogen wir weiter, verließen die Insel und fuhren in ein kleines Fischerdörfchen – Taganga. Dort gibt es eine kleine Bucht, in der wir gut einige Tage verbringen konnten. Es war wunderschön, einfach am Meer zu liegen und die Menschen zu beobachten. Auch wenn man öfter gestört wurde von Kettenverkäufern oder Leuten, die einem unbedingt eine Massage „andrehen“ wollten. Doch wenn es auf den Abend zuging, verwandelte sich das Dörfchen in eine einzige Partymeile mit vielen Diskotheken und Bars. Auch Silvester haben wir dort verbracht – ohne Feuerwerk, aber bei wunderbaren Temperaturen am Strand. Dennoch: Es wurde letztlich langweilig dort, weil wir so gar nichts tun konnten. Also zogen wir weiter – in den Tayrona Park, einen der vielen Nationalparks in Kolumbien. Viele Wanderwege führten durch die Berge und am Strand entlang. Wir kamen spätnachmittags an und mussten zunächst eine Stunde auch im Dunklen zum Zeltplatz marschieren. Das war ein wenig unheimlich. Aber da uns Tausende von kleinen Glühwürmchen umschwirrten, kamen wir aus dem Staunen kaum wieder heraus. Wir wanderten noch ein paar Tage, entdeckten eine wunderschöne Bucht, dann ging es zurück nach Medellin. Ich habe mich sehr auf das Wiedersehen mit den Kindern gefreut: Fast einen Monat lang hatte ich sie schließlich nicht gesehen. (wird fortgesetzt)
