WIEFELSTEDE - Als Charly Chaplin in „The Adventurer“ aus dem Knast ausbricht und die Polizei ihn jagt, da wird auch Johannes Cernota flinker und lässt die Finger über die Tasten des Klaviers sausen. Der Pianist ist auf Einladung des Ortsbürgervereins Wiefelstede im Hof Kleiberg angetreten, ein kleines Stück der „guten alten Zeit“ wieder aufleben zu lassen: die Zeit des Stummfilms, in der der Film meist musikalisch begleitet wurde – live. Und für eine Erinnerung an diese gute alte Zeit kann man sich schließlich keinen besseren Akteur auf der Leinwand aussuchen als eben den „Tramp“, dieses Genie des 20. Jahrhunderts, dass schon zu Lebzeiten Millionen Menschen verzaubert hat.

„Chaplin und Cernota – ein starkes Team“, wird Ortsbürgervereinsvorsitzender Franz Geveke zum Abschluss des Filmabends sagen – zu leider nur etwas mehr als 20 Zuschauern, die gekommen waren, sich die besondere Atmosphäre eines solchen Abends nicht entgehen zu lassen. Cernota präsentierte drei Kurzfilme Chaplins: „The Adventurer“, „The Vagabond“ und „The Immigrant“ und fügte jeder Szene improvisiert eine Untermalung bei, die auch die Stimmungen der herrlich-überschwänglichen Spielart auf der Leinwand – typisch eben für die Zeit vor dem Tonfilm – musikalisch verstärkte.

Auch Charlie Chaplin spielte Violoncello und Geige, berichtete Cernota in den Pausen. Und weil er Linkshänder war, ließ er sich seine Instrumente eigens umbauen. Er hat in frühen Jahren auch komponiert. Drei Stücke, von denen selbst die Familie Chaplins nichts wusste, tauchten in den 1980ern auf. Cernota durfte sie gemeinsam mit dem Düsseldorfer Cellisten Thomas Beckmann spielen und eine Platte machen und hatte dann zwei tolle Jahre, in denen die Musiker überall auf der Welt eingeladen wurden. In Wiefelstede ist der Sandkruger sicherlich auch für einen zweiten Filmabend so wie „anno dunnemals“ willkommen.