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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Geschichte eines singenden Gentlemans

05.07.2018

Wien Er ist der große alte Mann des Wiener Burgtheaters, der mit seiner Stimme und seiner Schauspielkunst auch viele Besucher deutscher Bühnen begeistert hat. Michael Heltau, der Wahl-Wiener mit bayerischen Wurzeln, verkörpert den Vollblut-Entertainer alten Schlags. Erst in den vergangenen Monaten ist es ruhiger um ihn geworden. 2017 präsentierte er noch an der Burg in seinem 34. Soloprogramm mit dem Titel „Einen blauen Ballon möcht“ ich haben...“ eine Auswahl französischer Chansons von Jacques Brel, Charles Aznavour oder Charles Trenet. Kurz darauf starb sein Lebenspartner, der holländische Regisseur und Autor Loek Huisman, im Alter von 91 Jahren. Es war ein schwerer Schlag für Heltau, der an diesem Donnerstag seinen 85. Geburtstag feiert.

Heltau hat es verstanden, den Bogen zwischen Shakespeare, Wiener Liedern und Musical zu spannen. Er selbst bezeichnete sich eher als „Bühnenmensch denn als Schauspieler“. Er war zu sehen in klassischen Rollen wie Romeo, Hamlet, Don Carlos oder als Bluntschli im Udo-Jürgens-Musical „Helden, Helden“.

Heltau, in Ingolstadt geboren, kam als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Österreich. Früh fiel sein Schauspieltalent auf. Von 1951 bis 1953 besuchte er das Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Sein erstes Engagement hatte er in Würzburg, 1954 kam er an das Bayerische Staatsschauspiel München und 1956 an die Wiener Josefstadt. Seit 1972 ist der Österreicher Ensemblemitglied des Burgtheaters.

Seine zweite Karriere als Chansonnier und Entertainer begann 1965 mit einer Sprechplatte, einer Aufnahme seines Soloabends mit „Werthers Leiden“. Auf der Bühne feierte er große Erfolge. 2004 trat er in „Love Letters“ das letzte Mal in einem Theaterstück auf. Seither war der Mann im Frack mit Zylinder in Lesungen, Shows oder Solo-Abenden zu erleben.

Er blieb stets kritisch, was Angebote anging. Die Rolle des Doktor Brinkmann in der Fernsehserie „Schwarzwaldklinik“ lehnte er ganz bewusst ab, obwohl er damals das Geld für seinen Hausbau gut hätte brauchen können: „Ich kann nicht ein Jahr Leuten den Puls messen und das dazu passende Gesicht machen“, sagte er.

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