• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Corona-Krise: Österreichs Kulturszene kränkelt

04.08.2020

Wien Die Wiener Sängerknaben sind von der Corona-Krise bedroht. Dem ein halbes Jahrtausend alten Kinderchor – Habsburger Erbe, das auf Konzerten weltweit die „Kulturnation Österreich“ verkörpert – geht nach eigenen Angaben im Herbst das Geld aus. Bis Weihnachten fallen zwei Millionen Euro Einnahmen weg. „Bei uns ist die Situation wie bei vielen anderen Kulturinstitutionen, dass seit Anfang März alle Konzerte abgesagt werden mussten“, sagt Vereinspräsident Gerald Wirth. Vor ähnlichen Problemen stehen Off-Bühnen, Veranstalter und andere Kulturbetriebe. Die Jungen im Matrosendress dürfte vermutlich ihre Rolle als kulturelle Botschafter der Alpenrepublik retten. Anderswo sieht es finsterer aus.

Blick in den Abgrund

Die Corona-Pandemie macht Österreichs Kulturszene, die das Land so sehr ausmacht, schwer zu schaffen – und das Schlimmste, so sagen viele, steht erst noch bevor. Flaggschiffe wie Staatsoper und Burgtheater blicken – trotz Staatsmillionen – mit Unwohlsein in Richtung Jahreswechsel. Viele Kleinere starren in den Abgrund.

Dabei sieht der Sommer für die Kultur auf den ersten Blick trotz Corona relativ heiter aus. Musste Mitte März alles abrupt schließen, kam Ende Mai das erste Aufatmen: Der Betrieb darf wieder anfahren. Vorsichtig öffneten die Museen, die Wiener Philharmoniker spielten Beethoven im Musikverein – vor 100 statt 1700 Zuschauern. Die Stadt Wien rief einen Open-Air-Kultursommer aus. Ab August sind bis zu 1000 Gäste in Räumen mit genehmigtem Corona-Konzept erlaubt, draußen mehr – bei zugewiesenen Plätzen und einem Meter Abstand.

Die Salzburger Festspiele werden wohl genau beobachtet werden. Ihre Augustwochen sind ein Experiment mit der sogenannten neuen Normalität: Bestuhlung im Schachbrett-Muster, Corona-Tests für Künstler, ein Drittel der Besucher und ein Viertel der Einnahmen. Viele schauen mit gemischten Gefühlen zu – nicht nur, weil die Infektionszahlen zuletzt stiegen.

Ein Totalschaden

Von einer „Lex Festspiele“ spricht der Musikmanager Hannes Tschürtz, dessen Label Ink Music etwa den Austropop-Exporthit Bilderbuch entdeckte. Für die Musik- und Veranstaltungsbranche ist die Corona-Krise ein Totalschaden. Vermarktung, Konzerte und Tantiemen liegen auf absehbare Zeit brach. „Das wahre Problem kommt 2021, 22, 23“, sagt Tschürtz. „So schlimm das jetzt auch ist, das wirklich Dramatische kommt erst.“ In der Clubszene wachsen Schuldenberge, vielen droht das Aus. „In Wahrheit betreiben wir da gerade in der Masse Konkursverschleppung“, sagt ein Clubbesitzer.

Der Mittelbau der Theaterstadt Wien, ihre Freie Szene, ist ratlos und wütend. Nach dem durch Kurzarbeit bewältigten Ausfall im Frühjahr naht ein Herbst mit im besten Fall halben Einnahmen. Corona-Tests für ein Ensemble? Unbezahlbar. „Viele von uns wissen nicht, ob wir 2021 noch unsere Pforten öffnen können“, sagt Roman Freigaßner-Hauser vom Rabenhof Theater, der für 15 kleine Bühnen spricht. Die Pandemie treffe jeden, stellt er klar. „Aber es ist ja nicht so, dass hier gitarrenzupfende Laien am Werk sind, die arbeitsscheu einen Beruf schwänzen. Theater, wie wir es hier betreiben in der nicht-kommerziellen Form, braucht Unterstützung vom Staat.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.