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Kunst Show-Erfinder als Sinnsucher

Irmgard Rieger

WIEN - Was ist er nun eigentlich, dieser Mann? Träumer, Denker, Musiker, Dichter, Show-Erfinder, Luftikus, Großmaul, Pleitier, Bohemien? André Heller ist – und war in seinem schillernden Werdegang – wahrscheinlich von allem etwas. Gleichzeitig entzieht er sich allen Zuordnungen. Sicher ist, dass er an diesem Donnerstag seinen 65. Geburtstag feiert, seine poetische Lebenshaltung ebenso zelebriert wie seine Auftritte – und dass er immer noch polarisiert.

Das tut André Heller, seitdem er in den 1970er Jahren öffentlich in Erscheinung trat. Zunächst als Liedermacher, dann auch als Moderator des ersten öffentlich-rechtlichen Popsenders Ö3. Die Sendung „Musicbox“, für die der leidlich erfolgreiche Avantgarde-Schauspieler engagiert wurde, wirkte im konservativen Österreich nahezu subversiv. Sie brachte Heller unter anderem mit den Musikern Manfred Mann und John Lennon zusammen.

Ein Kohlrabi

So wie er es auch in den anderen Feldern, die ihn interessierten, also Kunst, Musik und Dichtung, darauf anlegte, den von ihm verehrten Meistern selbst zu begegnen – von dem Maler und Schriftsteller Albert Paris Gütersloh über Henry Miller bis Frank Zappa.

„Wenn du etwas wissen willst, musst du dorthin gehen, wo dieses Wissen zu Hause ist“, erklärte er in einem Gespräch zur Präsentation seiner Biografie „Feuervogel“. Auf diese Weise sei er „einer Reihe von Rabbis“ begegnet, resümierte er.

Auf die Frage, ob er nicht selbst mittlerweile zum Rabbi geworden sei, entgegnete er selbstironisch: „Kohlrabi vielleicht . . .“. In Gesprächen und Interviews vermittelt Heller zu seinem 65. Geburtstag nicht nur Selbstironie, sondern auch große Gelassenheit. Er habe gelernt, „synchron mit den klugen Bedürfnissen meiner Seele zu leben“, schrieb er kürzlich.

Letztlich scheint der Sinnsucher Heller, der über das Schauspiel, die Musik und die Performance bis hin zum Film in vielen Sparten zu Hause ist, tatsächlich an einem Ziel angekommen: „Ich glaube, dass wir auf diesem Planeten mit seinen gewaltigen Polaritäten gastieren, um zu lieben und geliebt zu werden, mitfühlend und nicht mitleidend“, so Heller.

Ostjüdische Wurzeln

Sein Medium in dieser Mission ist die Schönheit: „Wir sind gut beraten, hohe sinnliche und heilende Qualität zu erarbeiten“, schreibt er.

Auf der Haben-Seite stehen etwa die Zirkus- und Variété-Shows Circus Roncalli, Flic Flac, das Programm „Begnadete Körper“ oder „Afrika! Afrika“. Zu einem Flop wurde zuletzt die Pferde-Show „Magnifico“ im Vorjahr.

Geboren wurde Francis Charles Georges Jean André Heller 1947 in Wien. Er stammt aus einer Zuckerbäckerfamilie mit ostjüdischen Wurzeln, die mit „Heller-Zuckerl“ genannten Bonbons kurzfristig ein Vermögen machte.

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