Oldenburg - Malen, als hätte kein Mensch vorher gemalt, den ganzen Ballast der Kunstgeschichte über den Haufen werfen – wirklich gelungen ist es auch dem genialen Jackson Pollock nicht, dazu gehorchte sein Dosen-Getropfe und -Gespritze einem in Wahrheit viel zu elaborierten Code.

Vielleicht würde Jackson heute ja im Bemühen um mehr Unmittelbarkeit gern einem Max Brand über die Schulter schauen, wie der Bilder malt, Bilder, in denen die Ursuppe der Malerei wild brodelt, Blasen wirft, Bröckchen erbricht aus Erinnertem und Vorstellbarem, Bilder wie abgetragen aus den Wänden einer Urzeithöhle.

Max Brand, geboren 1982 in Leipzig, wurde 2011 mit dem Absolventenpreis der Frankfurter Städelschule ausgezeichnet. 2012 hatte er seine erste große institutionelle Einzelausstellung in der New Yorker MoMa-Galerie PSI, und jetzt stellt er im Oldenburger Kunstverein aus, an die zehn großformatige Gemälde, ungezählte Papierarbeiten und ein wenig Skulpturelles. Brands Malerei ereignet sich auf Nutzstoffen wie Jeans, Leinen, Nessel mit Acryl, Öl, Lacken, Bindern, Straßenkreide, Farbspray, Edding, Tipp-Ex-Fluid und dergleichen mehr.

Das Beschütten des Bildgrundes von oben, der Auftrag mit dem Pinsel, das Führen von Stift oder Düse stehen neben dem Assemblieren von Ausschnitten bemalter Papiere oder Stoffe mittels Kleben oder Nähen. Herausgetrennte Löcher werden hinterklebt, Nähte hie und da kaschiert. Immer neue Farbaufträge vermählen sich so lange, bis Nichtfarbe dumpf in sich köchelt, in die hineingeworfen wie ungeputzte Suppenkräuter Kritzelei und Karikaturhaftes unterschiedlicher Größe und Provenienz schwimmen.

Archaisch, anarchisch, erratisch, enigmatisch, naiv bis zum Infantilismus und sehr, sehr „brut“: Die Reihe der Etiketten ließe sich endlos fortführen, und man käme doch nicht zu einem fassbaren Ergebnis. Brands Malerei wirkt, als hätten sich Urmenschen der Neuzeit Mal ums Mal an ein und dem selben Bildgrund ausgetobt, ursprünglich, unerhört frech und ohne Rücksicht auf irgendwelche Konventionen des Metiers.

Im wirklichen Leben tritt Brand einem fast schüchtern entgegen, ein kraftstrotzender Brummbär, der sich zu seinen Werken kaum äußern mag. In den Papierarbeiten, auch sie palimpsestartig geschichtet, erkennt man diesen Brand wieder, wie er mit lockerer Zeichenhand empfindsam Mimikrys konstruiert und anrührend feinsinnige Seelenzustände sichtbar macht.