Wildeshausen - Kristina, Jana und Kim-Marie befestigen gerade ein Poster mit Fotos von alten Wildeshauser Häusern und einem Porträt von Theodor Cohn. Daneben soll ein zerbrochener Rohrstock hängen. „Damit erinnern wir an den ehemaligen Wildeshauser Stadtdirektor, der als Halbjude von den Nazis verfolgt wurde, nicht mehr unterrichten durfte und ins Arbeitslager musste“, berichten die Neuntklässlerinnen.
Zusammen mit ihren Mitschülern haben sie am Donnerstag anlässlich des Holocaustgedenktages die Ausstellung „Widerstand und Flucht – Persönlichkeiten und besondere Ereignisse“ in der Aula der Realschule Wildeshausen aufgebaut.
„Mit dem zerbrochenen Stock möchten wir daran erinnern, dass Cohn als Lehrer – anders als damals oft üblich – seine Schüler nicht geschlagen hat“, berichtet Kristina. Herausgefunden haben die Mädchen das im Gespräch mit Cohns Tochter Dorothea Hemp, die in Wildeshausen lebt. „Eindringlich“ sei das gewesen, sagt Kim-Marie.
„Wir haben in der Ausstellung neben bekannten Namen von NS-Opfern wie Anne Frank sowie Widerstandskämpfern wie der Weißen Rose und den Edelweißpiraten bewusst auch das Leben von Wildeshauser Juden, die von den Nazis verfolgt wurden, aufgegriffen“, berichtet Lehrer Christian Langfermann.
So seien die Schüler zum Beispiel zu den Häusern gegangen, vor denen sogenannte Stolpersteine an die ehemals jüdischen Bewohner erinnern, die Opfer des NS-Terrors wurden. Ihre Lebens- und Leidensgeschichte wurde anschließend aufgearbeitet.
Die Ergebnisse sind nun in Form von Plakattafeln, Kurzfilmen, riesigen nachgedruckten Flugblättern und vielem mehr zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung an diesem Freitag um 12 Uhr im Anschluss an die Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof. Danach ist sie bis 16 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Außerdem besteht am Montag, 29. Januar, von 14 bis 16 Uhr die Gelegenheit, die Arbeiten der Neuntklässler zu begutachten.
