Wildeshausen - Der neue Kalender für das Jahr 2019 von Alfred Panschar vom Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen beschäftigt sich mit dem Kunstmaler Jan Groenmeyer. Er zeichnete Wildeshausen in altertümlichen Ansichten. Jedes der zwölf Kalenderblätter zeigt ein Stück Stadtgeschichte inklusive eines erklärenden Textes.
So ziert den Mai eine Szene aus dem 16. Jahrhundert, als die Stadt Wildeshausen im markgräfischen Krieg überfallen wurde. Damals waren die Festungsanlagen bereits geschleift und die Stadt konnte sich nicht verteidigen.
„Die Originale befinden sich in den Händen von Familie Stegemann“, sagt Panschar. Groenmeyer, Jahrgang 1903, habe zeitweilig im Hotel Stegemann an der Westerstraße gewohnt und mit seinen Bildern bezahlt.
Den Lebenslauf von Jan Groenmeyer und die Geschichte des Hoteliers Karl Stegemann hat Heinrich Boning für den Kalender zusammengetragen. Darin heißt es unter anderem, dass die Stadt Wildeshausen in der Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg eine Notgeldserie auflegte. Die Gestaltung lag in den Händen von Karl Stegemann. Auch als Werbung für sein Hotel brachte er gleichzeitig eine eigene Emission auf den Markt. Jan Groenmeyer hatte das Ersatzgeld mit heimischen Motiven künstlerisch gestaltet.
„Es war bestimmt kein Zuckerschlecken, in der Ära des Elends und Niedergangs sein Leben in Wildeshausen als Künstler zu fristen“, schreibt Boning. Wer kaufe in solchen Zeiten schon „Kunst“? 1933 beauftragte Stegemann den „Knapp-bei-Kasse-Gast“ Groenmeyer, die Geschichte der Stadt Wildeshausen und ihre Sehenswürdigkeiten in kleinformatigen Gemälden festzuhalten. Boning mutmaßt, dass der Hotelier, den viele Bürger wohl besser unter dem Namen „Karl Tüt“ kannten, dabei eine Werbebroschüre für den Fremdenverkehrsort Wildeshausen im Hinterkopf hatte. Alfred Panschar hat die „verborgenen Schätze“ aufgetrieben und die Bilder mit Genehmigung von Peter Stegemann veröffentlicht.
Dessen Vater Karl Stegemann starb übrigens 77-jährig im Jahr 1971. Der Hotelbetrieb wurde aufgegeben, das Gebäude später verkauft und schließlich 2004 abgerissen.
Der Kalender ist in den beiden Wildeshauser Buchhandlungen sowie beim Verkehrsverein im Rathaus für 19,80 Euro erhältlich.
