WILDESHAUSEN - Ein mitreißendes Hörerlebnis gab es am Freitagabend für gut 70 Jazzfreunde in der Alexanderkirche. Die evangelische Kirchengemeinde hatte gemeinsam mit den Wildeshauser Jazzfreunden das Jazz-Trio Kordes - Tetzlaff - Godejohann eingeladen. Die drei Ausnahmemusiker spielten die „Easter Suite“ des kanadischen Pianogiganten Oscar Peterson.
Petersons Passion beschreibt den Leidensweg Christi vom letzten Abendmahl bis Himmelfahrt. Peterson schrieb das Werk 1984 im Auftrag der britischen BBC. Seine Passion ist anders. Peterson stellt die frohe Botschaft in den Vordergrund, die aus der Kreuzigung entstanden ist.
Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Bass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) spielten das Stück im Sommer 2006 als CD ein, die bislang einzige Interpretation der Easter Suite auf CD.
Das Konzert am Freitagabend war ein noch größerer Genuss für die Zuhörer. Mal mitreißend-dramatisch, mal zurückhaltend-sensibel spielte das Trio die neun Sätze der Suite und ließ das Publikum am Leidensweg teilhaben. Dabei ließ sich Petersons Handschrift bei der Komposition nicht verleugnen. Der Stil erinnert ein wenig an den ersten Satz von Petersons Afrika Suite, dem „Nigerian Marketplace“. Tetzlaff gibt auf seinem Kontrabass ein einleitendes Motiv vor, in das Kordes mit Variationen auf dem Piano einsteigt. Die Schlagzeugsoli von Karl Godejohann füllten das ganze Kirchenschiff. Die drei Musiker beeindruckten mit ihrer Musikalität, die einen Vergleich mit Peterson und seinen Musikern nicht zu scheuen braucht.
Das Trio ließ jedoch immer der ursprünglichen Komposition ausreichend Platz, nahm sich selbst zurück. Alle drei vermieden es, sich in endlosen Improvisationsschlangen zu verhakeln.
Die Spielfreude der drei mündete in einem mitreißenden Hörerlebnis für die Zuhörer, die ausgiebig Beifall spendeten. Als Zugabe spielten Kordes, Tetzlaff und Godejohann unter anderem ein weiteres Stück von Oscar Peterson, die „Hymn To Freedom“, die er zu Ehren von Dr. Martin Luther King geschrieben hatte.
