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Kunst Mit Farbe gegen die Taubheit

Uta-Maria Kramer

WILDESHAUSEN - Erwartungsfroh strahlend holt der Schwarzrock am Pfingstdienstag seine Festmontur aus dem Safe. Die üppige Blume im Holzgewehr darf natürlich nicht fehlen. Das ist eines der Bilder, die Helmut Desens derzeit im Friseursalon Garmhausen ausstellt. Auf einem anderen Kunstwerk ist ein bedröppelt dreinschauender Gildekönig am „Tag danach“ zu sehen. Schwer lastet die schwere Königskette auf seiner schmächtigen Brust, während sich in seinem Kopf das Gedankenkarussell dreht.

Immer mit einem leisen Lächeln und viel Liebe zum Detail zeigt der gebürtige Wildeshauser das Gildefest von seiner schönsten Seite. Ohne sich selbst und die altehrwürdige Institution allzu ernst zu nehmen, aber doch mit einem gehörigen Schuss „Pfingstverrücktheit“ zeigt Desens in den unterschiedlichsten Facetten, was die Schützengilde bis heute für ihn bedeutet. „Jedes Jahr Pfingsten denke ich an meine aktive Pfingstzeit, die mich bis heute prägt“, sinniert der 57-Jährige.

Früh entdeckte sein Freund und Kunstlehrer Gerd Jacoby Desens’ Talent und förderte es ebenso wie Galerist Hartmut Berlinicke oder der inzwischen verstorbene Maler Henry Garde. Während seiner Ausbildung als Schauwerbegestalter bei der Firma Leffers in Wildeshausen gründete der junge Künstler sogar eine Jugendgalerie in Bargloy und stellte hier zwei Jahre seine Bilder aus. „Damals versuchte ich, ein großer Künstler zu sein und experimentierte mit Radierungen und Linolschnitten“, erinnert er sich.

Impulse in Berlin

„Danach war der finanzielle Rahmen ausgereizt, und ich zog zunächst nach Bremen und dann nach Berlin“, so Desens weiter. Dort erlebte er seine künstlerisch intensivste Zeit. „In Berlin ist jeden Tag Samstag“, schwärmt er heute noch.

Doch irgendwann hatte Desens die häufigen beruflichen Wechsel satt und verließ die Kulturmetropole. Der Schauwerbegestalter tauchte ins Druckgewerbe ein und arbeitete fortan als Siebdrucker in Bremen. Dort lebt er seit 1991 mit seiner Frau Angelika und den beiden Kindern Finja und Ole. „Der Beruf ist stressig, aber schön, und ich habe mit Farben zu tun“, erzählt er.

Doch der berufliche Stress forderte Opfer. Nach einem Herzinfarkt, einem Tinnitus und mehreren Hörstürzen ertaubte der umtriebige Siebdrucker im November 2011 völlig. Hinzu kamen starke Schwindelanfälle. „Die dauerten oft eine Stunde und ich konnte mich einfach nur hinlegen und abwarten“, erinnert er sich an diese schreckliche Zeit. Phasenweise glaubte Desens an keine Besserung, aber die Malerei half ihm, „nicht durchzudrehen“. „Die Gildebilder sind alle in meiner tauben Phase entstanden, aus dem Druck heraus, nicht in einer Depression zu versinken“, sagt Desens. Kaum vorstellbar angesichts der farbenfrohen humorvollen Motive.

Dank eines modernen CI-Implantats gehört der Künstler seit Februar zwar wieder zu den Hörenden, aber die Verständigung zum Beispiel beim Telefonieren ist noch etwas schwierig. „Das kommt aber alles wieder“, freut sich Desens, dass die Zeit der Abhängigkeit von anderen nun langsam zu Ende geht.

Reiz der Wittekindstadt

Sein Kontakt in die Heimatstadt ist immer eng geblieben. Einmal im Jahr – in der letzten Woche der Sommerferien treffen sich Desens und seine vier Geschwister samt Partnern und Kindern mit Mutter Lieselotte in der Wittekindstadt. Über seinen Bruder Rolf, der seit langem im Spielmannszug musiziert, kam auch der Kontakt mit Friseur Garmhausen zustande, der seinen Salon als Atelier anbot.

„Ich warte jetzt erst mal die Resonanz ab“, kommentiert Desens die aktuelle Ausstellung. Er kann sich gut vorstellen, in Zukunft auch einmal Wildeshauser Bücher oder Kalender zu illustrieren. „Wildeshausen ist eine wunderschöne alte Stadt mit Traditionen, auf die man stolz sein kann“, möchte er den ganz besonderen Reiz seiner Heimat künftig noch stärker herausstellen. Telefonisch ist Desens zu erreichen unter 0421/480827.

 @ Mehr Bilder unter

http://www.NWZonline.de/fotos-landkreis

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