WILDESHAUSEN - „Diese Preisträger haben sich auf der Ebene der Orts- und Regionalgeschichte verdient gemacht.“ Dieses Lob galt gleichermaßen allen Geehrten beim Kunst- und Kulturpreis 2006/2007 des Landkreises Oldenburg. Das Kompliment: kam aus berufenem Munde: Der Leiter des Staatsarchivs Oldenburg, Dr. Gerd Steinwascher, hielt die informativ-unterhaltsame Laudatio bei der Preisverleihung am Mittwoch im Wildeshauser Kreishaus. Der Dötlinger Horst Wichmann bekam den ersten Preis für sein Lebenswerk als Dötlinger Dorfchronist, der Großenkneter Dirk Faß den zweiten Preis für seine heimat- und regionalgeschichtlichen Beiträge und die Litteler Hans-Hermann Büsselmann und Heinz Büschelmann gemeinsam den dritten Preis für die umfangreiche Chronik über ihr Heimatdorf in der Gemeinde Wardenburg.

„Wenn Dötlingens Heimatkunde ein Urgestein besitzt, dann sicher Horst Wichmann“, sagte Steinwascher. Wichmann sei nicht nur ein unermüdlicher Chronist und Historiker seines Heimatortes, sondern er schrieb dessen Geschichte selbst mit, betonte Steinwascher und verwies auf die vielfältigen Aktivitäten des „Schulmeisters“, so das Engagement im örtlichen Bürger- und Heimatverein. „Dötlingen kann froh sein, so eine aktuelle Heimatkunde zu besitzen“, hob der Experte die Werke Wichmanns hervor.

„Wer aus der Landesbibliothek die Veröffentlichungen von Dirk Faß ausleihen will, der muss große Taschen mitbringen und gut gefrühstückt haben“, verwies der Experte Steinwascher augenzwinkernd auf die Vielzahl der Publikationen des überaus fleißigen Autors aus Großenkneten. Der Experte nannte den engagierten Heimatforscher, im Hauptberuf Postbeamter, ein „Aushängeschild des Oldenburger Landes“, dessen Werke auch überregional wahrgenommen würden. Die Bücher von Dirk Faß seien vom volkskundlichen Interesse geprägt, ihn interessiere das konkrete Leben der Menschen, der Alltag, die Sitten und Bräuche, auch das Leiden und Sterben.

In seiner Heimatgemeinde ist Faß seit 1994 ehrenamtlicher Archivpfleger. „Er kümmert sich also um die schriftliche Überlieferung des Ortes, eine wichtige, leider heute nicht mehr so verbreitet wahrgenommene, ehrenamtlich ausgeübte Aufgabe im ländlichen Raum“, bedauerte Steinwascher. Wie Wichmann greife auch Faß aktiv in die Entwicklung seiner Heimat ein, so als langjähriges Mitglied des Rates.

Hans-Hermann Büsselmann und Heinz Büschelmann verdankt die Ortschaft Littel ein Buch, „das für lange Zeit die gültige Chronik des Geestdorfes sein wird“, so Steinwascher. Sogar auf eine Ersterwähnung seien sie erstmals bei ihrer geduldigen Recherche gestoßen, berichtet der Laudator. Das 600 Seiten starke Werk sei nicht nur eine Dorf-, sondern auch eine Familienchronik. Steinwaschers Fazit am Ende seiner Rede: „Ich gratuliere der Jury zur Auswahl.“