Wildeshausen - An der Eingangstür zur Galerie hängt das Plakat seiner letzten eigenen Ausstellung. „Annäherungen“, so der Titel der Schau im Herbst 2017 in der Oldenburger St.-Stephanus-Kirche. Es geht um den christlich-jüdischen Dialog. Zu sehen ist auch ein Poster, das einen Clown zeigt, der auf dem Jerusalemer Felsendom sitzt. Die Glastür zur „Internationalen Galerie Wildeshausen“ ist geöffnet. Im Innern ziehen – wie so oft – Grafiken, Collagen und Kurioses die Besucher an. Es ist still. Einer fehlt: der Künstler und Galerist Hartmut R. Berlinicke, der Anfang März im Alter von 75 Jahren plötzlich verstorben ist.
Vier Ausstellungen
„Ich möchte nicht, dass es in der Galerie einsam wird“, sagt Witwe Maria Charlotte Berlinicke. Gemeinsam mit ihren Kindern Bettina-Maria, Jens-Daniel und Annette-Christina sowie Freunden hat sie entschieden, das Lebenswerk ihres verstorbenen Mannes fortzusetzen. Pro Jahr soll es vier Ausstellungen geben. Freunde und Förderer werden per Abo weiterhin einen Druck zu jeder Ausstellung erhalten. Auch Römers Papiertheater bleibt. Und im Herbst will Vanessa Thomas aus der „Gilde-Buchhandlung“ in der Galerie eine Auswahl neuer Bücher vorstellen.
Wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes befestigte Maria Berlinicke ein Zitat des Schriftstellers Reiner Kunze – „Treten Sie ein, legen Sie ihre Traurigkeit ab, hier dürfen Sie schweigen“ – an dem eisernen Blumengitter vor dem Eingang zur Galerie. Es galt als Einladung zu einer Tasse Tee oder Kaffee. Viele Freunde und Bekannte nutzten die Gelegenheit zum Gespräch, boten jegliche Hilfe an. „Für die große Anteilnahme sind wir unheimlich dankbar“, sagt Bettina-Maria Berlinicke (51). „Das hat uns durch die schwere Zeit getragen.“ Zwar fehle ihr Vater an allen Ecken und Enden. „Aber er konnte bis zum Schluss das machen, was er so geliebt hat. Das tröstet uns“, so die Tochter. Viele Werke Berlinickes hängen in der Galerie, darunter das Bügeleisen auf den Wellen oder die Leiter, deren Stufen aus Stiften und Pinseln bestehen. „Ich konnte die leeren Wände nicht ertragen“, erklärt seine Witwe Maria.
Noch vor seinem Tod hat der renommierte Künstler eine Ausstellung im Museum „Haus Peters“ in Tetenbüll bei St. Peter Ording vorbereitet. Im Frühjahr 2017 war die ganze Familie dort. Hartmut Berlinicke hatte sich in einen ehemaligen Hühnerstall im Bauerngarten des Museums verguckt. Die Idee zu dem Druck konnte er noch zu Lebzeiten umsetzen. Nun hält Maria Berlinicke eines der letzten Werke ihres Mannes in den Händen. Der Druck zeigt den mit roten Klinkern verblendeten Stall, davor laufen Hahn und Henne. Er wird die Nummer 466 im Werkverzeichnis von Hartmut Berlinicke und bei der Retrospektive in Tetenbüll zu sehen sein. Die Schau unter dem Titel „Windige Geschichten“ wird am 18. August um 15 Uhr im Beisein der Familie eröffnet.
Grafikerin aus Holland
Knapp eine Woche später, am Freitag, 24. August, wird es in der Wildeshauser Galerie, Harpstedter Straße 23, die erste Ausstellung unter der Ägide der Familie Berlinicke geben. Die niederländische Grafikerin Wendelien Schönfeld, 1950 geboren und an der Rijksakademie für Bildende Künste in Amsterdam ausgebildet, zeigt Stadtansichten und Landschaften. Die Vernissage beginnt um 20 Uhr. Die Künstlerin arbeitet seit 1977 freischaffend, in der Holzschnitttechnik von einer verlorenen Form, an Themen aus ihrer Umgebung. Im Vorjahr erhielt die Künstlerin den renommierten Graveur-Preis „Prix de Gravure Mario Avati“ von der Akademie der Schönen Künste.
