Wildeshausen - „Irgendwann ist es einfach passiert, da war ich auf einmal die Frau mit Hut.“ Rita Willenborg-Surmann schmunzelt, als sie das erzählt. Auch an diesem heißen Frühsommertag präsentiert sich die Wildeshauserin gut behütet: Ein sommerlich-leichtes Modell aus zart rosa gefärbtem Stroh ziert den Kopf der 46-Jährigen. „Bei Hitze sind Strohhüte einfach unschlagbar“, freut sie sich. Wähle man ein Modell mit breiter Krempe, könne man zudem auf die Sonnenbrille verzichten. Das sei praktisch für Brillenträger wie sie, die sonst ständig zwischen normaler Brille und Sonnenbrille wechseln müssten.
Mehr als 50 Modelle
Doch praktische Erwägungen waren es eigentlich nicht, die sie auf den Hut gebracht haben. „Mein wohl erster Hut war Ende der 90er-Jahre ein schwarzer Winterhut, den ich beim Schlittschuhlaufen in Münster getragen habe“, erinnert sie sich. Nach und nach wurden es immer mehr. „Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass meine Mutter, die ihre Eltern früh verlor, bei einem Hutmacher aufwuchs und gerne davon berichtete“, sinniert Willenborg-Surmann.
Inzwischen fehlt kaum eine Farbe in ihrer Sammlung, die mehr als 50 Exemplare umfasst. Gelagert werden die Hüte – teils aufeinander gestapelt – in Kartons für Sommer und Winter. Bunte Strohhüte mit dekorativen Blumen sind dabei, praktische Modelle für unterwegs, die man zusammenknüllen kann, und edle Modelle für besondere Anlässe.
Solche Anlässe waren zum Beispiel die standesamtliche und kirchliche Hochzeit mit Ehemann Henning, bei denen die Braut edle Modelle in schwarz und weiß mit Tüll und angedeutetem Schleier trug. Ihr Mann sowie die drei Kinder Ramona (12), Anastasia (10) und Gabriel (7) finden ihr Faible für Hüte übrigens toll.
Vorteile überwiegen
„Die Vorteile des Huttragens überwiegen einfach die Nachteile“, wirbt Willenborg-Surmann für mehr Mut zum Hut. Man werde zum Beispiel stets erkannt und brauche bei festlichen Anlässen nicht viel Geld für den Friseur aufzuwenden. „Ich mach mir einfach einen Zopf oder trage die Haare offen, setze einen Hut drauf und gut“, sagt die 46-Jährige.
Damit kommt sie jedoch auch gleich zu einem Nachteil, den der Hut mit sich bringt: „Wenn man ihn erst mal aufhat, muss man ihn auch aufbehalten, egal wie warm es darunter wird“, weiß sie aus Erfahrung. Die Frisur sei dann nämlich einfach im Eimer. Auch bei Wind sei die Kopfbedeckung nicht so ideal, aber ein Gummiband verhindere ungewollte Verluste.
Apropos Verluste: Was ramponiert oder aus der Mode gekommen ist, wird aussortiert und in den Kindergarten Langförden mitgenommen, wo die gebürtige Goldenstedterin als Erzieherin arbeitet. „Die Kinder finden es toll, sich mit den ausgemusterten Hüten zu verkleiden“, berichtet sie.
Neue Hüte kauft sie, wann immer sich die Gelegenheit bietet: im einschlägigen Fachhandel, in Abendmodegeschäften, im Strohmuseum Twistringen oder gern auch im Urlaub in Bayern, wo es tolle Trachtengeschäfte gibt und wo es auch dieses Jahr wieder hingeht.
Adelige Hochzeit
Natürlich hat die Hutliebhaberin auch die Bilder der jüngsten Traumhochzeit im englischen Königshaus mit großem Interesse gesichtet. Dabei fällt ihr eine lustige Anekdote ein: „Als vor Jahren William und Kate heirateten, guckte die Tochter von Bekannten das Spektakel im Fernsehen und fragte irgendwann ihre Mutter, wo denn eigentlich die Rita sei. Leider war ich jedoch trotz meiner großen Hutauswahl nicht eingeladen“, schmunzelt sie.
„Egal ob beim Kirchgang, bei Hochzeiten, Bällen, Beerdigungen oder einfach beim Stadtbummel: Mit einem Hut ist man einfach immer gut angezogen“, weiß die Wildeshauserin aus inzwischen langjähriger Erfahrung. Schön fände sie es aber, wenn mehr Menschen „Mut zum Hut“ zeigten. Mitbringen müsse man nur etwas Selbstbewusstsein, denn „man fällt auf, bekommt manchmal blöde Sprüche, aber immer wieder auch Komplimente“.
