WILDESHAUSEN - Mit Ausnahme des Vereinswirts waren 1882 alle Mitglieder unverheiratet. 1947 fand eine Aufstellung als Kirchenchor keine Mehrheit.

Von Stefan Idel

WILDESHAUSEN - Die Regeln waren streng: Wer im 19. Jahrhundert beim Männergesangverein „Euphonia“ zu spät zum Übungsabend kam, musste mindestens fünf Pfennig Strafgeld zahlen. Nach 21 Uhr waren sogar zehn Pfennig fällig. „Die Uhr des Dirigenten war maßgebend“, berichtet Sangesbruder Werner Beringer, der für die NWZ in der alten Chronik geblättert hat. Der traditionsreiche Wildeshauser Chor feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Das Jubiläumskonzert findet am kommenden Sonnabend, 6. Januar, um 17 Uhr in der Aula der Privatschule Gut Spascher Sand statt.

„Im Oktober des Jahres 1882 saßen an einem Sonntagabend mehrere durstige Seelen bei einem kühlen Trunke in der Wirtschaft bei Hieronimus Stegemann hier“, schrieb der Bauer und Stadtkämmerer Theodor von der Ecken in der Chronik des Chores. In der Runde wurde sogleich der Wunsch geäußert, einen Gesangverein zu gründen. „Unter den Anwesenden war auch der Lehrer Heinrich Elsen“, ist in der Chronik von der Eckens weiter zu lesen. Er habe sich sofort bereit erklärt, die Dirigentschaft zu übernehmen. Acht Tage später wurde der „Quartettverein Euphonia“ aus der Taufe gehoben und die Statuten (siehe Kasten) beschlossen. Elsen, bis 1900 Dirigent der Euphonen, wurde auch Kassierer und Schriftführer. „Als Liedervater wurde einstimmig Malermeister Bernhard Iken gewählt“, berichtet Pressesprecher Werner Beringer. „Das Liederbuch war innerhalb von acht Tagen zur Stelle.“ Er verweist auf so manches Detail aus der Chronik: „Sämtliche Mitglieder waren damals unverheiratet – ausgenommen Vereinswirt

Hieronimus Stegemann jr.“ Die Sangesbrüder der einzelnen Stimmen setzen sich wie folgt zusammen: 1. Tenor: Hermann Stegemann, Heinrich Becker, Johann Niester; 2. Tenor: Hieronimus Stegemann jr., Heinrich Averdam, Bernhard Stegemann; 1. Bass: Bernhard Schnitker, Bernhard von der Ecken, Theodor von der Ecken; 2. Bass: Bernhard Iken, Heinrich Stegemann, Bernard Niehüser.

„Während des I. Weltkriegs kam die Muse bis 1919 ganz zum Erliegen“, heißt es in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen. Als Lehrer Heinrich Hoyng den Chor übernahm, ging es wieder aufwärts. So wurden dem Publikum bei Stiftungsfesten regelmäßig auch Theateraufführungen geboten. 1930 spielten die Euphonen „Hans Sachs, den deutschen Meister“ oder einige Zeit später den „Freischütz“. „Aufgrund seiner Nähe zur katholischen Kirche wurde der Chor während der NS-Zeit aufgelöst“, berichtet Chronist Beringer, „und ein Teil der Sänger wechselte zur Liedertafel“. Nach dem Ende des II. Weltkriegs erweckten Wildeshauser Liederfreunde „Euphonia“ zu neuem Leben. 1947 stimmten die Euphonen erneut darüber ab, ob der Chor als Männer- oder als Kirchenchor weiter aufgestellt werden sollte. Die Sänger entschieden sich für den Männerchor. Die Währungsreform machte eine neue Beitragssatzung erforderlich.

Beringer: „Die erste Einladung nach dem Krieg erfolgte 1948 zum Sängerfest des MGV Bassum.“ Auch an kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten oder Weihnachten übernahmen die Euphonen den Gesang in der Kirche. Die Resonanz blieb nicht aus: 1951 hatte der Chor bereits 51 Mitglieder. Auch heute, 125 Jahre nach der Gründung, stehen rund 50 Sangesbrüder in der Euphonen-Mitgliederliste.