WILDESHAUSEN - Zweimal musste die Deutsche Bahn am Osterwochenende einen Schnellzug stoppen und Fahrgäste hinaus bitten – die Waggons waren überfüllt. Beim „Gospel Train“, der am Ostermontag in der Wildeshauser Alexanderkirche hielt, blieb niemand zurück. Die Joyful Voices mit ihrem Leiter Ralf Grössler rissen im gut besuchten Gotteshaus jeden mit.

„Schön, dass Sie nicht am Grill stecken geblieben sind“, freute sich der Kreiskantor, gerade mit der Medaille der Oldenburgischen Landschaft geehrt. Der Chor wolle einen deutlichen Gegenpol „zum Trübsal in dieser Welt“ setzen. Das gelang perfekt. Gospelstücke wie „Great Day“ oder „There’ll be Joy“ sorgten für prächtige Stimmung beim Jahreskonzert. Bei „Sing a new Song“ – die Musik hat Komponist Grössler passend zum Psalm 96 („Singt dem Herrn ein neues Lied“) arrangiert – ist das Publikum gefordert. Beim Refrain muss es aufstehen und die Arme in die Höhe reißen. „Das kommt mindestens 42mal vor“, unkt Grössler. Und: „Bewegen Sie sich mehr.“ Noch lieber wäre es ihm aber, wenn alle stets laut mitsingen oder gar im Mittelgang der Kirche tanzen.

Nicht allein Stücke aus dem jüngsten Programm „Gospel Train“ sind zu hören. Mit Hingabe widmen sich die Joyful Voices den alten Spirituals: „Hold on“ erinnert an die Leidenszeit der Sklaverei in Amerika; „Hear me Prayin’, Lord“ ist nicht minder bekannt. Fantastisch auch die Darbietungen der Solisten – von Nadine Ukena bei „Oh happy Day“ bis zu Wolfgang Jöllenbeck bei „Ain’t got Time to die“. Dank der Unterstützung von Rafael Jung am Klavier, Joachim Dölker am Schlagzeug und Helmut Reuter am Bass kommen die Arrangements mal schmissig-jazzig oder sanft wie ein feiner Blues daher. Pointiert, mit einer Prise Humor, serviert Grössler die Stücke. Der Moderator ärgert sich über knatternde Motorsägen, macht auf eine „neue Choreografie“ (die Köpfe gingen von recht nach links) aufmerksam und empfiehlt der Politik, sich mehr Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Und fast nebenbei, beim Stück „Follow me to Jordan“, verrät der Kantor, dass er derzeit an einem neuen Gospeloratorium ` la „Prince of Peace“ arbeitet. Es handelt vom Auszug Israels aus Ägypten. „Ich bin schon bei der 52. Minute der Aufführung“, so Grössler. Die ersten beiden Oktober-Wochenenden 2012 sollten sich die Interessierten schon einmal vormerken.

Langer Applaus ist der verdiente Lohn für das gelungene Jahreskonzert. Zwei Zugaben folgen. Eine wünscht sich Ernst-August Bode – quasi als Dankeschön für die Landschaftsmedaille. Es folgt der „Gospel Train“. Bei Joyful Voices bleibt niemand zurück.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent