WILDESHAUSEN - Die letzte Aufführung am Dienstagabend widmete Komponist Ralf Grössler seinem Sohn Yngve. Er wurde an diesem Tag vier Jahre alt.

Von Stefan Idel

WILDESHAUSEN - Wann bekommt man zum Geburtstag schon einmal ein symphonisches Gospel-Oratorium? Für Yngve Grössler war es bereits am vierten Geburtstag soweit. Am Vormittag hatte er noch einen Kran und einen Bauernhof geschenkt bekommen, am Dienstagabend durfte er in der Alexanderkirche in der ersten Reihe sitzen, als zum fünften Mal „Prince of Peace“ aufgeführt wurde. Vater Ralf Grössler, Komponist und Gesamtleiter des Oratoriums, hatte seinem Sohn die vorerst letzte Aufführung gewidmet. Auch Tochter Ylva (5), die bereits Flöte spielt, verfolgte aufgeregt das Konzert.

Gerade während der letzten beiden Veranstaltungstage stieg das Oratorium weiter in der Gunst der Zuschauer; am Dienstag waren auch die Seitenschiffe der Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. „Fast jeden Abend waren 450 Menschen zu Gast“, zog der Kantor gestern im Gespräch mit der NWZ Bilanz. Bei jeder der fünf Aufführungen hatte der 48-jährige Musiker noch kleine Änderungen an seinem Werk vorgenommen oder die Choreographie verbessert. Neben dem Dank an die 32 Musiker des Orchesters, darunter Ehefrau Dagmar Grössler-Romann am Vibraphon, und an die Chöre hob Grössler die „English Dramatic Society“ des Gymnasiums hervor. Niemand habe zuvor geahnt, wie Musik und Darstellung wirken. „Die Theatergruppe von Antje Grützmacher hat das sehr gut gemacht.“ Auch Heike Schindler als Friedensengel hätte vielen Besuchern gefallen.

Auch das Echo der Kritiker, das von „genial“ bis „bombastisch“ reichte, war einhellig. Kantoreien aus Marburg, Berlin und Nürnberg wollen Grössler zufolge in den nächsten Jahren „Prince of Peace“ aufführen. Weitere werden sicherlich folgen. Wer das gospel-Oratorium verpasst hat, kann zumindest einen Live-Mitschnitt als CD erwerben, die spätenstens bis zur Sommerpause erhältlich sein soll.

Mit einem Tusch und einem kräftigen „Danke, Ralf!“ zollten Chor und Orchester am Dienstagabend der Leistung des Komponisten Tribut. Bewegende Worte fand die Sprecherin des Chores, Gerlinde Plate, ehe einige Mitwirkende mit Blumen belohnt wurden. Im Rempter stießen die Mitwirkenden nach getaner Arbeit noch kurz mit Sekt an. Das erlebte Geburtstagskind Yngve nicht mehr. Der Vierjährige war bereits zum Ende des zweiten Teils des „Prince“-Stückes auf der Kirchenbank eingeschlafen. Für ihn war der Tag offenbar doch recht anstrengend.