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Offenes Denkmal Aus Berne zur Brennerei und in Basilika

WILDESHAUSEN - Rolf Schmidt war mit dem Fahrrad eigens aus Berne (Landkreis Wesermarsch) angereist. „Gut vier Stunden war ich unterwegs“, erzählt der 63-Jährige bei der Führung mit Joachim Kinast im Museum für die Dampfkornbranntweinbrennerei. Es hat sich gelohnt: „Das war sehr interessant“, bedankt sich Schmidt. „Beim nächsten Mal mache ich eine Stadtführung in Wildeshausen.“

Hunderte nutzten am Sonntag den „Tag des offenen Denkmals“, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Gemäß der Devise des Denkmaltages – „Romantik, Realismus, Revolution“ – erinnert Peter Hahn mit einer eigens ausgearbeiteten Führung an die Zeit der Industrialisierung in Wildeshausen, die eng mit dem Eisenbahnanschluss im Jahr 1898 verknüpft ist- „Zuvor war Wildeshausen eine Ackerbürgerstadt mit gut 2000 Einwohnern. Wir hatten allein 54 Schuhmacher und Flickschuster“, erzählt er den Gästen auf dem Weg vom Bahnhof bis zum Wasserkraftwerk an der Hunte. „Das Kraftwerk interessiert uns besonders“, sagen Bernd Franck und sein Sohn Hauke (20), die eigens aus Hude angereist sind.

Erstmals im Rahmen des Denkmaltages führt Archäologin Svea Mahlstedt am Vormittag interessierte Besucher über das Pestruper Gräberfeld. „Hier handelt es sich um das größte Grabungsschutzgebiet in Norddeutschland“, schlägt Mahlstedt den Bogen von der Bronzezeit bis zur Heidelandschaft der Gegenwart. Noch muss sie Abbildungen der kleinteiligen Funde in Pestrup auf Schautafeln zeigen. Doch schon bald sei der „Museumskoffer“ des Vereins Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen (UZW) fertig. „Damit können wir vor allem Schülern die Ur- und Frühgeschichte näher bringen.“ Ein Armreif und eine Gewandnadel („Fibel“) sollen originalgetreu nachgebildet werden. Am Nachmittag zeigt Dr. Bernd Rothmann die Großen Steinen in Kleinenkneten.

Kinder klettern in Orgel

Beliebter Anlaufpunkt beim Denkmalstag ist auch in diesem Jahr die Alexanderkirche. Sechs Fremdenführer des Verkehrsvereins erläutern den Besuchern die alte Basilika. „Das ist unsere Schatzkammer“, zeigt Karola Müller auf die wertvollen Fresken in der Sakristei. Sie verschweigt nicht, dass unter den Wandmalereien eines der ältesten Zeugnisse der Judenverfolgung zu finden ist.

Von Registern und Obertönen berichtet Kantor Ralf Grössler auf der Orgelempore. Bildhaft stellt er die „Königin der Instrumente“ vor, die in Wildeshausen schon 40 Jahre auf den Buckel hat. St. Justinus (103-160) habe seinerzeit alle Instrumente aus der Kirche verbannt. Doch als ein Kaiser im 13. Jahrhundert dem Papst eine Orgel geschenkt hatte, setzte sich das Instrument durch. Die Besucher dürfen auf der Kleuker-Orgel spielen; Svenja und Malte klettern in den Orgelkasten. Begeistert zeigen sich auch Christa und Ralph-Peter Bachstein, die eigens aus Hildesheim gekommen sind.

Gäste aus dem Ruhrgebiet

„Wir können uns nicht beklagen“, lobt Karin Holtmann-Kolloge, Vorsitzende des Museumsvereins für die Dampfkornbranntweinbrennerei, den Besucherzuspruch in der alten Destille. „Bis zum Nachmittag hatten wir 99 Besucher“, sagt sie. Das Publikum sei sehr interessiert. Auf dem Rückweg vom Ostsee-Urlaub macht sogar eine Familie aus Witten (Ruhr) zum Denkmalstag in der Kreisstadt Station. „Wir können doch an Wildeshausen nicht immer vorbeifahren“, sagen sie.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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