WILDESHAUSEN - Als sich die Pogromnacht mit der Zerstörung der Synagoge an der Huntestraße zum 50. Mal jährte, legte der Historiker Werner Meiners 1988 die „Geschichte der Juden in Wildeshausen“ vor. Ein 360-seitiges Werk, das umfassend über die kurze Blütezeit und das grausame Ende der kleinen jüdischen Gemeinde berichtet. Es ist ein Standardwerk und ein Beispiel für eine mustergültige Dokumentation jüdischen Lebens in einer Kleinstadt. Jetzt liegt die handliche Ergänzung vor, mit der sich die Geschichte der Wildeshauser Juden im Nationalsozialismus bei einem eineinhalbstündigen Gang durch die Innenstadt nachlesen lässt. Das Faltblatt „Spuren jüdischen Lebens in Wildeshausen“ stellten der Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz und der Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen am Donnerstag vor.

Tags zuvor dienten die Texte bereits als Grundlage beim zweiten Erinnerungsgang am 9. November. Die Idee dazu war nach der Premiere 2010 entstanden. Damals hatte Lokalhistoriker Peter Heinken selber eine Zeichnung entworfen und die Texte auf Karteikarten vorbereitet. Danach bildete sich eine Arbeitsgruppe im Präventionsrat mit Marcus Hemjeoltmanns, Rudi Boning, Ulrich Becker, Charlotte von Olearius sowie Heinken und Jacoby. Die Arbeiten am Faltblatt nahmen richtig Fahrt auf, als nach den Sommerferien Gymnasiallehrer Hemjeoltmanns anbot, sein Werte-und-Normen-Kurs, Jahrgang 11, könne Kurztexte aus dem Meiners-Buch entwickeln. „Von der Stadt haben wir einen ganzen Klassensatz bekommen“, freute sich Jacoby über die Unterstützung. Die Ergebnisse der Schüler überarbeitete Peter Heinken. Arbeitskreis und Verein entwickelten gemeinsam das handliche, 16-seitige Faltblatt mit historischen Aufnahmen und aktuellen Bildern. „Es sind Menschen aus Wildeshausen, über die wir sprechen“, erläuterte Bernd Oeljeschläger, Vorsitzender des Bürger- und Geschichtsvereins, diese Mischung.

Auf der Titelseite ist das Ölbild von Hartmut Berlinicke „Der Judentempel von Wildeshausen“ zu sehen. Auf der Rückseite befindet sich eine Karte der Innenstadt, auf der die zehn Punkte markiert sind, die im Innenteil näher vorgestellt werden. Im Mittelpunkt stehen die jüdischen Familien, die in der NS-Zeit noch in Wildeshausen lebten und zum Großteil dem Holocaust zum Opfer fielen.

Das Faltblatt hat eine Auflage von 2500 Stück und ist für einen Euro im Büro des Bürger- und Geschichtsvereins, im Verkehrsbüro sowie in den Buchhandlungen zu haben. Ab Klasse 9 könne es gut im Unterricht eingesetzt werden, hieß es. Mit der Broschüre haben die Initiatoren einen in dieser Form bisher einmaligen historischen Rundgang in Wildeshausen vorgelegt.

Ulrich Suttka
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