WILDESHAUSEN - Als er ein kleines Kind war, durfte Rolf Tepe neben seinem Vater Alfons am Pfingstdienstag mit auf die Herrlichkeit marschieren. Er sei das glücklichste Kind der Welt gewesen, sagt der 45-Jährige heute.
Das Ereignis hat Rolf Tepe geprägt; denn heute ist er Fourier der Wachkompanie der Wildeshauser Schützengilde. Seit 1983 ist er dort Mitglied. „Man sollte mindestens Unteroffizier sein, damit man zum Fourier gewählt werden kann. Der Fourier wird für zehn Jahre gewählt“, erklärt Tepe. Zusammen mit Vize-Fourier Uwe Spalthoff ist er für die Verpflegung der Kompanie zu Pfingsten zuständig und muss sich um das Equipment kümmern. Besonders am Pfingstdienstag hat Tepe viel zu tun; denn da findet das Kalbsbratenessen für die Offiziere statt. Zu seinen Aufgaben gehört ebenso, die Beschlüsse des Festausschusses mit dem Rechnungsführer zu prüfen. Des weiteren richtet er die Hauptwache im historischen Rathaus zusammen mit Spalthoff ein und verwaltet dort das Inventar. „Der Fourier ist ein sehr anspruchsvoller Posten. Man darf nicht mit halbem Herzen dabei sein“, sagt Tepe. „Es ist sehr arbeitsintensiv, aber macht mir sehr viel Spaß. Ich bin der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Ich bin eben ein Workaholic.“ Tepe hat als Fourier einen großen Vorteil; denn er war jahrelang als Koch in der Gastronomie tätig.
Finanziert wird die Verpflegung durch einen Obolus der Offiziere sowie durch Spenden und Gönner der Wachen selber. Das traditionelle Verhaften und die Verhandlung vor dem Gildegericht trage nur einen kleinen Teil dazu bei.
Ein besonderer Dank Tepes geht an die Frauen. „Auch wenn in der Gilde keine Frauen zugelassen sind, brauchen wir sie“, so Tepe, „Am Pfingstdienstag und am Mittwoch helfen die Küchenfrauen bei der Verpflegung mit und halten die Kompanie-Quartiere sauber.“
Aber nicht nur rund um Pfingsten hat der Fourier viel zu tun. Über das Jahr verteilt gibt er Berichte auf den Versammlungen ab und organisiert Ausflüge, die ihren Abschluss meistens mit einem Zusammensein im Gildehaus finden. „Wenn alles nur an Pfingsten stattfinden würde, wäre es sehr schade“, so Tepe. Für seine Tätigkeiten in der Gilde hat Tepe schon einige Orden bekommen: den silbernen Wacheorden, den silbernen Verdienstorden für vier Jahre Vize-Fourier sowie den bronzenen Verdienstorden (zwei Jahre Tätigkeit als Fourier). Sein Vater Alfons, der Schwarzrock ist, wurde ebenfalls mit Orden ausgezeichnet. Er sei über 40 Jahre in der Gilde. „In die Gilde wird man reingeboren und stirbt wieder raus“, sagt der Fourier. Niemand komme um die Gilde herum, wenn er in Wildeshausen wohne.
Auch Tepes 15-jähriger Sohn Lukas sei so „positiv verrückt“, was die Gilde betrifft. Zurzeit spielt er im Fanfarenzug. Auch er möchte mit 18 Jahren Mitglied bei der Schützengilde werden.
