WILDESHAUSEN - Arnulf Haury wandert im Jahr 250 Tage. Der pensionierte Lehrer machte auch in Wildeshausen Station.

von anja rohde

WILDESHAUSEN - „Das wäre nicht mein Leben“, sagt der Betreiber des Wildeshauser Hotels „Zur Rampe“, Claus Wiebers, bei dem Arnulf Haury die vergangenen beiden Nächte zu Gast war. Haury, der mit einem Handwagen „vorfuhr“, ist seit über 190 Tagen auf der Walz durch Deutschland.

Bereits im Januar hatte Haury sich beim Wildeshauser Hotelier angekündigt. „Ich plane meine Wanderungen im Winter vor“, erläutert Haury. Seine Touren beginnen immer in seinem Heimatort Lauffen, südlich von Heilbronn. Von dort ist er über Ulm, Kempen, München, Wismar und die Ostseeinsel Poel Richtung Norddeutschland aufgebrochen. „Ich wollte auch die Nordsee sehen“, sagt Haury. Und die „Quadratmeile der deutschen Vorgeschichte“, die prähistorischen Denkmäler bei Wildeshausen wie die Kleinenkneter Steine und das Pestruper Gräberfeld. „Das ist mein Lebenselixier; ich brauche das“, sagt er mit einem begeisterten Blick auf die Jahrtausende alten Steinformationen vor ihm.

Der 67-jährige pensionierte Lehrer ist 2005 zum sechsten Mal auf der Walz. Und wie in den Jahren zuvor umfasst auch diese Wanderung durch Deutschland 250 Tage. Etwa 20 Kilometer marschiert er mit seinem Handwagen am Tag. Seinem Ziel, eine Strecke zu laufen, die der Erdumrundung gleichkommt, ist er mit dieser Tour ein wenig näher gerückt: 24 000 Kilometer hat er bislang auf seinen Wanderungen zurückgelegt, die er einmal begonnen hat, weil ihm mit der Pensionierung auch ein Stück Lebensinhalt abhanden gekommen war („mir fehlten die Schüler“). Aber der Stand in Sachen Erdumrundung sei ohnehin nur ein „Abfallprodukt“, sagt er. „Was zählt sind die Bilder, die Gespräche, die Kultur und Natur“ auf seinem Weg. Dazu zählt auch die Begegnung mit Hans-Werner Beissert vom Museum Urgeschichte-Neuzeit in Kleinenkneten, in dem er einen seelenverwandten Gesprächspartner fand. Um Beisserts Museum zu besichtigen, lief Haury einen Umweg von zwei Kilometern.

Nicht immer sind Begegnungen so erfreulich: Manchmal wichen Menschen seinem Blick aus, wenn er mit seinem Handkarren des Weges zieht. „Das ist Verachtung“, sagt er. Er erlebt aber auch Bewunderung für seinen Mut. Alle seine Reise-Eindrücke hält er in Haikus, japanischen Kurzgedichten, fest.

60 Tage ist Haury noch auf der Walz mit seinem elften Paar Wanderschuhe, das er in Dresden erstanden hat. Seine Frau Inge, die täglich einen Brief von ihm erhält, erwartet ihn am 19. November in Lauffen zurück.