WILDESHAUSEN - „Wir genießen es, mit dem Fahrrad durch die Gegend zu fahren. Hier gibt es noch viele Kornfelder“, sagt Rolf Wieser. Gemeinsam mit seiner Frau Lieselotte macht der 78-jährige Rentner seit 15 Jahren im „Hotel Lindenau“ Urlaub. Beide kommen immer mit dem Rad – aus Oldenburg. „Wir haben schon mehrfach einen Gepäcktransfer angeboten“, sagt Gastgeberin Sibylle Cordugas, „aber das lehnen sie ab“. Und auch der schnelle Huntesprinter sei tabu.
Wege bestens bekannt
Zu Wildeshausen und dem Umland haben die beiden Touristen eine besondere Beziehung. Lieselotte Wieser, geborene Sachse, war 1946 mit ihrer Mutter Else und zwei Geschwistern aus dem Kreis Goldberg in Schlesien geflohen. Die damals 13-Jährige und ihre Familie kamen auf dem Bauernhof von Alfred Kolloge in Simmerhausen unter. Zur Schule ging sie damals nach Hockensberg; konfirmiert wurde sie in der Alexanderkirche. „Bis 1955 lebten wir in Simmerhausen“, erzählt sie. Dann habe ihr Vater in der Oldenburger Ulmenstraße ein kleines Milchgeschäft gepachtet.
Auch Ehemann Rolf kennt viele Wege in Wildeshausen wie seine Westentasche: Der ehemalige Gruppenleiter bei der Landessparkasse zu Oldenburg wurde 1950 monatelang in der ehemaligen Lungenheilstätte – heute ist dort die Diakonie Himmeltsthür untergebracht – behandelt. „Da habe ich viele Spaziergänge hier gemacht“, berichtet Wieser. Und während der gemeinsamen Radtouren mit ihren Söhnen Bernd und Torsten haben Lieselotte und Rolf Wieser mehrfach in Wildeshausen Station gemacht. Einer der Söhne kaufe noch heute gern in der Kreisstadt ein.
Grillabend spendiert
Über die Hatter Landstraße geht es meist von Oldenburg nach Wildeshausen. „Vor einigen Jahren sind wir auch schon einmal einen Umweg über Wardenburg und Huntlosen gefahren“, erklärt Lieselotte Wieser. Vom „Hotel Lindenau“ bricht das Duo dann zu Tagestouren in die Umgebung auf. Besuche bei Bekannten in Dünsen oder Harpstedt stehen in der Regel auf dem Programm. Seit 15 Jahren erkunden die Wiesers auf den gleichen Rädern die Wildeshauser Geest. Auch einen Plattfuß haben sie noch nie gehabt. „Meist bringen meine Gäste auch schönes Wetter mit“, ergänzt Sibylle Cordugas. Sie lädt das Oldenburger Paar als Dankeschön für die Treue stets zum Grillabend ein.
Fund im Kleiderschrank
Zur guten Tradition gehöre auch, dass die Wiesers bei ihrem Aufenthalt in Wildeshausen stets das gleiche Hotelzimmer erhalten. Vor einigen Jahren machten sie hier einen überraschenden Fund: „Im Kleiderschrank hatten die Vorgänger Geld und Schecks versteckt“, berichtet Lieselotte Wieser. Die Besitzer hatten seinerzeit den Verlust noch gar nicht bemerkt. Von dem Finderlohn kaufte sich Wieder einen schicken Gartenstuhl. „Der hält heute noch“, sagt sie. Wenn die Wetterprognosen stimmen, werde man auch nächstes Jahr wiederkommen, ist sich Rolf Wieser sicher. Wildeshausen lässt sie so schnell nicht los.
