WILDESHAUSEN - Spinnen, Skorpione und Schaben bevölkerten die Widukindhalle – allerdings unter Glas. Mehr als 100 Tiere waren ausgestellt.
von Anja rohde
WILDESHAUSEN - Bei manchen lösen die achtbeinigen Gliederfüßer Abscheu und Ekel aus. Sie rücken den Insekten mit dem Staubsauger zu Leibe oder trachten ihnen auf anderen Wegen nach dem Leben. Der Besuch der Spinnenausstellung, die am vergangenen Wochenende in der Wildeshauser Widukindhalle stattfand, hätte sie sicherlich Überwindung gekostet.Aber sie hätten auch vieles über die Tiere gelernt. Rund 130 Spinnen, darunter Exoten aus den Tropen, aber auch Webspinnen aus Süd- und Mitteleuropa, waren zu sehen. In weiteren Terrarien fanden sich Skorpione, Riesenschaben, die fauchen, wenn man sich traut, sie zu berühren, und Tausendfüßler von gigantischem Ausmaß. Ebenfalls ausgestellt waren Spinnen-Außenskelette, Exuvien genannt, die zurück bleiben, wenn sich die Tiere während ihres Wachstums häuten. Auch verlorene Gliedmaßen und abgenutzte Tasthaare werden so erneuert, erläutert Jörn Trylus. Gemeinsam mit Boris Rutsch organisiert er die Schau, die ab dem kommenden Jahr wieder bundesweit zu sehen sein wird. Mit der Ausstellung in Wildeshausen schlossen Trylus und Rutsch die diesjährige Saison ab.
Welche Frage der Besucher auch stellte, Trylus wusste eine Antwort. Der 33-Jährige, dessen Interesse an Spinnen erst geweckt wurde, als er vor etwa fünf Jahren eine Rotknievogelspinne geschenkt bekam, erweist sich als Fachmann in Sachen Gliederfüßer. Dieses Wissen geben er und Rutsch auch in Schulen weiter, in die sie beispielsweise bei Projektwochen eingeladen werden.
Informationsschilder an den Terrarien füllen weitere Bildungslücken. Sie klären darüber auf, dass die Theraphosa blondi der Gigant unter den Vogelspinnen ist. Als größte Vogelspinne der Welt ist das bis zu 170 Gramm schwere Tier, das sich von Insekten, Reptilien und Kleinsäugern ernährt, im Tropischen Regenwald zu Hause. Ein Umstand, der die tropischen Temperaturen in der Widukindhalle erklärte.
Beste Voraussetzung auch für das wertvollste Tier der Schau, die Nhandu vulpinus. Die Spinne, deren Lebensraum in Brasilien fast vollständig durch Stauseeprojekte zerstört wurde, ist in freier Wildbahn kaum mehr anzutreffen. Die hellbraune, stark behaarte Vogelspinne gilt als Rarität und kostet rund 300 Euro. Eine Nachzucht ist schwierig. Bis zu einer erfolgreichen Paarung der aggressiven Tiere können bis zu fünf Männchen ihr Leben lassen. Ein teures „Vergnügen“ für jeden Züchter.
Natürlich fehlte in der Schau auch nicht die Schwarze Witwe. Die Spinne mit dem klangvollen Namen ist in den westlichen USA und Mexiko beheimatet. Das erstaunlich kleine Tier mit schwarzem Körper und roter Zeichnung ist extrem giftig. „Der möchte ich lieber nicht begegnen“, sagte der zehnjährige Moritz Leh, der gemeinsam mit Bruder Julian (7) und seiner Familie aus Wardenburg gekommen war. „Das wirst du auch nicht. Die Spinnen fliehen schon, wenn du 200 Meter entfernt bist und bringen sich vor dir in Sicherheit“, erläuterte Trylus.
