WILDESHAUSEN - „Why me, Josh?“ „Warum ich, Josh?“ – Eindringlich hallt die Anklage durch den Raum. Die bohrenden Fragen der Toten lassen den jugendlichen Mörder nicht mehr ruhen. Niemals. Zu spät wird ihm bewusst, dass er nicht nur die Zukunft seiner Mitschüler, sondern auch sich zerstört hat.
Mit der gebotenen Sensibilität, vor allem aber überaus vielschichtig brachte die „English Dramatic Society“ des Gymnasiums unter Leitung von Antje Grützmacher am Dienstagabend das Stück „Bang Bang, You’re Dead“ auf die Bühne. Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 15 Opfern keine einfache Sache. Der Truppe gelingt es, den richtigen Ton zu treffen.
Das Bühnenbild lenkt den Blick aufs Wesentliche. Schon zu Beginn werden heitere Kinderbilder abrupt den Stimmen der Opfer gegenüber gestellt; das Johnny-Cash-Lied „13“ („I was born to bring trouble“) der düsteren Stimmung zugeordnet. Und eine einfache Kiste wird multifunktional eingesetzt als Richterpodest, Schreibtisch, Psychiater-Couch – und Sarg. Die Waffe selbst, mit der Josh seine Eltern und fünf Mitschüler tötet, wird dagegen nur angedeutet. Gut so.
Das Stück nimmt sich die Zeit, um Joshs Faszination für Waffen, die Auseinandersetzung mit seinen Eltern und den Spott seiner Mitschüler zu thematisieren. Immo Stahl spielt die Rolle des Josh meisterhaft – mit der gestellten menschlichen Kälte („Ich töte aus Spaß“) und der inneren Zerrissenheit („Ich hätte nie gedacht, was ich ihnen genommen habe“). Auch die übrigen Darsteller überzeugen auf der ganzen Linie: Nina Albus, Janine Dufner, Annabelle Strömer, Sören Wiesner und Matthias Wobbe als „Verstorbene“ stehen am Ende in weißen T-Shirts da – blutverschmiert. Sie zeigen, dass fünf Patronen mehr töten als fünf Menschen. Auch Angehörige, Mitschüler und Freunde leiden lebenslang. Erklärungen für das Unbegreifliche – immer wieder heißt es: „ein Herz, das niemand kennt“ – gibt es nur in Ansätzen. Auch die übrigen Akteure, darunter wispernde „innere Stimmen“ sowie Saskia Löding und Henning Dieks als Eltern, haben sich den langen Applaus des Publikums mehr als verdient.
Heute (20 Uhr) ist das Stück erneut im Forum des Gymnasiums zu sehen.
