WILDESHAUSEN - Aus welchem Land Sepp Obermayr stammt, ist unschwer zu erraten. Lautstark und überschwänglich beherrscht er die Szene im Foyer des Hotels „Dragon Palace“ in Tokio, sieht sich von der reizenden, grau kostümierten aber auch geheimnisvollen Aufzug-Dame „Kumiko“ gefangen genommen und wird nicht zu seinem Hotelzimmer geführt, sondern mit auf Exkursion in die Welt des japanischen Märchens, auf eine abenteuerliche Reise in die Tiefen des Meeres des Fischers Urashimotaro genommen.

Fasziniert und überrascht zugleich genossen am Freitag- und Sonnabendabend insgesamt rund 150 Zuschauer das Theaterprojekt „Der Drachenpalast“ im historischen Rathaussaal, zu dem der Kulturkreis Wildeshausen eingeladen hatte und das vom Oldenburger Theater unter den Sternen (Stefanie Becker, Jochen Fried und Ute Brommersheim) aufgeführt wurde. „Wir sind auf die beiden Veranstaltungstermine ausgewichen, weil die Bühne sehr groß und vor allem tief ist“, erklärte Kulturkreisvorsitzender Werner Stommel im Vorfeld. Allerlei Aufwand hatten die Kulturkreismitglieder zu leisten – vor allem, um den Rathaussaal abzudunkeln. Die Geräuschkulisse von der öffentlichen video-Leinwand zur Fußball-EM auf dem Marktplatz hielt sich in Grenzen. „Als wir unser Programm geplant haben, dachten wir noch nicht an die EM. Wenn Deutschland gespielt hätte, wäre die Veranstaltung wohl ins Wasser gefallen“, meinte Stommel.

Westliche und östliche Kultur und damit Moderne und Tradition prallen in dem Stück aufeinander. Die stürmische bayrische Frohnatur Sepp (Jochen Fried) steht im krassen Kontrast zu dem zurückhaltenden asiatischen „Elevator-Girl“ Kumiko. Dazu lassen feinsinnige Dialoge, Maskenspiel in Perfektion, untermalt mit musikalischen Beiträgen aus den beiden Kulturwelten und ein Bühnenbild im Stil einer übergroßen Papierbühne aufhorchen und den Theaterabend zu einem besonderen Ereignis werden. Hingucker sind die Masken, die im Ausdruck und Abbild nicht treffender hätten sein können. Die Zuschauer sind schnell gefangen vom japanischen Märchen, tauchen ein in Ruhe und Gelassenheit, aber auch Abenteuer aus einem ganz anderen Kulturblickwinkel.

Heute, Montag, lädt der Kulturkreis um 20 Uhr zu seiner Jahreshauptversammlung auf Gut Altona ein.