WILDESHAUSEN - Mit einem traurigen Blick schaut der sonst so verspielte Stefford­shire-Terrier Nils aus seinem Zwinger der Hunde-Notunterkunft am Klärwerk. Sein Oberkörper zittert vor Kälte. Schon seit Tagen sind die Temperaturen im Minusbereich.

Mindestens dreimal pro Tag schauen die Helfer der Tierschutzgruppe Wildeshausen in der kalten Jahreszeit vorbei. „Und doch ist jedes Mal das Wasser für die Hunde eingefroren“, sagt Tierschützerin Andrea Seitz, während sie Nils und Schäferhundrüde Rocket begrüßt. Kaum sind die Tore der Zwinger geöffnet, stürmen die beiden zum kleinen Bauwagen, der eigentlich für die Lagerung des Futters gedacht ist. Dort ist es wenigstens etwas wärmer. „Und das wissen die Hunde genau“, meint Andrea Seitz. Doch Probleme gibt es auch hier: Mäuse und Ratten knabbern die Vorräte der Hunde an. „Und gerade Ratten können ja bekanntlich Krankheiten übertragen.“

Penibel achtet Andrea Seitz daher darauf, dass Nils und Rocket ihr Futter in ihrem Beisein auffressen. „Dazu muss ich es meist mit etwas heißem Wasser aufwärmen.“ Vor allem Schäferhund Rocket bereitet der Wildeshauserin Sorgen: „Durch das kalte Wasser hat er bereits Probleme mit dem Magen. Minusgrade sind da nicht gerade förderlich.“

Dabei haben die Helfer bereits alles getan, um die Hunde so gut es geht vor der Kälte zu schützen. „Wir haben Stroh und Decken in die Hütten gelegt“, berichtet die Tierschutzgruppen-Mitarbeiterin. Keine optimale Lösung, weiß sie. Denn die Decken werden jetzt schnell klamm. Während für Nils noch Hoffnung besteht, eine Pflegestelle zu finden, sieht es für Rocket schlecht aus. „Insgesamt 14 Hunde müssen vermittelt werden. Mit neuen Helfern konnten wir zwölf bereits unterbringen“, erklärt Andrea Seitz und krault Nils, der sich dabei ganz dicht an sie kuschelt.

Gar nicht ausdenken will sie sich, dass Schäferhundrüde Rocket womöglich im Winter am Klärwerk ausharren muss. „Ich würde mir wünschen, dass wir beide möglichst schnell vermitteln können“, erzählt sie besorgt. „Die derzeitigen Zustände sprechen eigentlich gegen unsere Tierschutzmoral.“ Doch auch heute muss Andrea Seitz die beiden zutraulichen Hunde schweren Herzens in ihrer kalten Unterkunft zurücklassen.