WILDESHAUSEN - Festmahl und Tischrede gehören zusammen. Das wusste bereits Martin Luther. Was lag da näher, als einen wortgewaltigen Theologen als Gastredner einzuladen? Doch Jan Janssen, Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, setzte beim Freundesmahl der Diakonie Himmelsthür am Freitagabend eher auf die Zwischentöne. Er rief zu größerem Miteinander in der Gesellschaft auf.
Pastorin Sabine Spieker-Lauhöfer, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises, konnte 102 Gäste im maritim geschmückten Festsaal begrüßen. Sie wies auf die Fotoausstellung „Miteinander leben“ hin, die erstmals öffentlich präsentiert wurde. Gezeigt werden zehn Bewohner der Einrichtung an markanten Orten in Wildeshausne. „Es ist viel in Bewegung“, so Pastor Ulrich Stoebe, Direktor der Himmelsthür, mit Blick auf den Prozess der Neuausrichtung. Die Himmelsthür verabschiede sich von den „Sonderwelten für Menschen mit Behinderungen“. Stoebe bedankte sich für die große Unterstützung, auch seitens der Landesregierung: „Wir brauchen diesen Rückenwind, um das mit langem Atem machen zu können.“
Laut Regionalgeschäftsführer Jörg Arendt-Uhde ziehen Mitte November 18 Menschen in das umgebaute „Hotel am Rathaus“ in Wildeshausen ein. „Das ist unser Referenzprojekt. Da darf nichts daneben gehen.“ Alle säßen mit im Boot. Arendt-Uhde räumte ein, dass der Fachbereich Intensivbetreuung derzeit „eine leichte Schlagseite“ habe. „Auch das kriegen wir hin.“
Jesu Tischgemeinschaft mit Armen, Verkrüppelten, Lahmen und Blinden, die Rolle von Gastgeber und Diener oder die Sitzordnung – einer ganzen Reihe von Gepflogenheiten aus der Welt des Essens und Trinkens ordnete Bischof Janssen biblische Botschaften zu. Der 1. Korintherbrief biete gar eine Mahnung in Zeichen von Fastfood: „Meine lieben Geschwister, wenn ihr zusammenkommt, so wartet aufeinander“, heißt es dort. Seit Jesu Zeiten sei der Tisch stets auch Treffpunkt. In Bezug auf die neue Himmelsthür-Konzeption mit kleinen Wohngruppen mitten in der Stadt mahnte Janssen, die Stärkeren sollten sich den Schwächeren zuzuwenden. Die Gesellschaft müsse sich hin zu mehr Miteinander verändern. Ihm war großer Applaus sicher.
Das maritime Festmenü, zubereitet vom Küchenteam unter Gerald Pilgrimm, dürfte auch Janssen – der als Pastor lange Jahre in Wilhelmshaven tätig und für die „Kirche am Meer“ bei der Expo 2000 verantwortlich war – gemundet haben. Serviert wurden unter anderem Büsumer Krabbensuppe, Graved Lachs mit Honigsenfsauce, Variationen von Fischfilets und als Dessert Sylter Rote Grütze.
