WILDESHAUSEN - Das milde Tief, das vom Atlantik nach Nordeuropa zog, verschonte auch Wildeshausen nicht. Regen, Regen und nochmals Regen, hieß es am Dienstag. Eisschollen auf der Hunte waren nicht zu sehen. Sie „geiht“.
Das stellten am Dienstagabend auch zehn Herren, alle in schwarze Mäntel gehüllt und mit Zylindern bedeckt, an der Landskrone fest. Punkt 20 Uhr hatte sich die Gruppe zum 49. Mal versammelt, um zu testen, ob der Fluss „geiht“ (fließt) oder „steiht“ (zugefroren ist). Sie „geiht“ (geht), wie unschwer zu sehen war, als Dieter Hellbusch und Harald Zierock den Eisblock übers Geländer warfen.
Im Team der „schwarzen Herren“ waren diesmal drei Neulinge zu sehen: Helmut Rang, Jochen Meyer und Heiner Hüls. Sie nehmen die Plätze der verstorbenen Helmut Huntemann, Heinrich Hüls und Hans Petermann ein.
Nach dem Vorbild der Bremer Eiswette trifft sich die Runde stets am 11. Januar. „Die Idee entstand 1962 nach der großen Sturmflut an der Küste, als bei uns Veranstaltungen abgesagt wurden, erzählte Gerhard Lübben, der in diesem Jahr den Vorsitz von dem erkrankten Edo Hakemann übernommen hatte. Statt der großen Feier traf man sich damals bei Kolloge zum Bier. Dort sei das erste Treffen an der Hunte für den 11.1.1963 verabredet worden.
„Ich hätte nicht gedacht, dass die Eisschollenwette so lange Bestand haben würde, meinte Lübben, der die Protokolle der Treffen aufbewahrt. Erstmals hatte er ein Deutschland-Fähnchen am Wagen angebracht. „Ein bisschen Nationalstolz können wir ruhig zeigen“, meinte er. Dieter Hellbusch erinnerte sich, dass zweimal in den vergangenen zehn Jahren – 2003 und 2009 – Eis auf der Hunte war.
Die Zeremonie der Wette hat seit dem ersten Jahr Bestand: Mit einem dreifachen „Gut Scholle! wird mit hochprozentigem „Huntewasser angestoßen. Am Dienstagabend reichte Lübben genau 70 Käsehäppchen, ehe die Prüfung mit dem Eisblock folgte. Traditionsgemäß kam die Gruppe im Gasthaus Wolters zusammen. Bereits im Jahr zuvor landeten sechs Ja- und sechs Nein-Stimmen im Lostopf. Jeder musste eines ziehen. Am Dienstag wurde der versiegelte Umschlag mit den Ergebnissen geöffnet. Die Verlierer müssen die Zeche zahlen: Traditionell gibt es halbe Hähnchen, Brötchen und natürlich genug Flüssiges
