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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Architektur: 50 Jahre alt und kaum eine Zukunft

02.03.2018

Wilhelmshaven Eine schöne runde Zahl: 50 Jahre. Aber in Wilhelmshaven ist sie kein Anlass zum Feiern. Zumindest nicht mit einem offiziellen Festakt. Denn die Zukunft der Kunsthalle, die 1968 an ihrem Standort an der Adalbertstraße eröffnet wurde, ist ungewiss.

Spektakulärer Blickfang

„Schade“, findet das Kunsthallen-Leiter Jürgen Fitschen, der im Mai das Haus vorzeitig verlassen wird. Aber eine zentrale Feier halte er derzeit auch nicht für angemessen. Gleichwohl wird an das Ereignis erinnert. In einer Ausstellung soll versucht werden, das künstlerische Umfeld jener Jahre um 1968, in der die ersten Künstler im klar strukturierten Neubau ausstellten, zu rekonstruieren.

Ausstellung

Die Schau „Wendepunkte: Das Jahr 1968. Positionen deutscher Kunst – und was aus ihnen wurde“ ist vom 25. März bis 17. Juni in der Kunsthalle Wilhelmshaven (Adalbertstraße 28) zu sehen. Direktor Dr. Jürgen Fitschen hält am Dienstag, 6. März, 19 Uhr, einen Jubiläumsvortrag.

Dazu werden zehn „ältere Herren um die 80“ – darunter Klaus Fußmann, Waldemar Otto und Friedrich Meckseper – und eine Installationskünstlerin eingeladen, wie Fitschen ankündigt. Mindestens die Hälfte der zehn Künstler, die seit mindestens 50 Jahren und noch immer künstlerisch tätig ist, wurde schon einmal in Wilhelmshaven ausgestellt „und zwar verhältnismäßig früh“. Sie zeigen jeweils eine Arbeit aus den 60ern und eine aktuelle.

Spektakulärer Blickfang der Schau wird eine Installation der Israelin Zigora Rafaelov (Jahrgang 1954). Dafür hat sie sich die große zentrale Betonstele im Ausstellungsraum ausgesucht. Den plastischen Kern der Innenarchitektur und das verbindende Element der unterschiedlichen Ebenen haben Künstler in den vergangenen 50 Jahren immer wieder als zusätzliche Wand genutzt. So wurden in 300 Ausstellungen rund 1200 Löcher in den Beton gebohrt. Die in Düsseldorf lebende Künstlerin will nun von jedem einzelnen Loch einen Bindfaden zu den gegenüberliegenden Betonbalustraden spannen, um so Zeitschichten sichtbar zu machen.

Schon vor 1968 gab es in Wilhelmshaven Räume für Kunst: die 1913 eröffnete Kaiser-Friedrich-Kunsthalle mit ihren prominenten Säulen. Sie war auf Initiative des damaligen Chefs der Marinestation der Nordsee, Admiral Friedrich Graf von Baudissin, gegründet worden. Doch sie überstand den Bombenkrieg nicht. Nach einem behelfsmäßigen Domizil in einer hölzernen Wehrmachtsbaracke wurde ein Neubau an der Adalbertstraße in Angriff genommen, realisiert von den Wilhelmshavener Architekten Harms und Sommerfeld in Anlehnung an klare, sachliche Bauhaus-Vorbilder.

Der Kunsthistoriker Jürgen Fitschen ist der neunte Chef der Kunsthalle. Erst seit März 2017 im Amt hat er allerdings Ende Dezember angekündigt, Wilhelmshaven bereits am 31. Mai 2018 wieder verlassen zu wollen. Er hatte die Leitung mit Blick auf eine geplante Kulturstiftung übernommen, an deren Realisierung er aber zweifelte. Weil er „keine Perspektive mehr“ sah, warf er das Handtuch.

Doch die Debatte hält an. Nach Darstellung der Wilhelmshavener Tourismusgesellschaft (WTF) ist nach wie vor eine Kulturstiftung geplant, angeschlossen ans Kulturamt, aber nur als Dach für die Kunsthalle und das Küstenmuseum. Das Wattenmeer-Besucherzentrum falle aus den Planungen heraus. Ob die Ausstellungen künftig noch in dem Baudenkmal an der Adalbertstraße oder in einem Neubau stattfinden, wird noch diskutiert.

Exzeptionelles Bauwerk

Für den 52-Jährigen ist die Kunsthalle ein exzeptionelles Bauwerk. Ihre Architektur sei eine Antwort auf eine damals drängende Frage gewesen, „nämlich wie man leben will in der neuen Republik nach dem Desaster der ersten Jahrhunderthälfte“. Eine solche Antwort, wie sie in Wilhelmshaven gegeben wurde, sei ganz selten in Deutschland. „Mir fallen nur vier, fünf Ausstellungshäuser ein“, sagt Fitschen, „die in derselben Zeit entstanden sind.“

Dennoch lasse sich die Kunsthalle am angestammten Platz nicht ohne Veränderung weiterführen: Sie sei zu klein, nicht barrierefrei und habe keine Depots. Über ihre Zukunft mag er nicht spekulieren. Aber dass noch weitere 1200 Löcher in die Betonstele gebohrt werden, erscheint derzeit mehr als fraglich.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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