WILHELMSHAVEN - Ja, der zäh gedehnte Wiener Schmäh und die bedächtige Rede der Friesen passen besser zusammen, als mancher glauben mag. Dort gedrechselte Hinterfotzigkeit in Perfektion, hier viel sagendes Schweigen zum Deicherweichen. Man versteht sich!
So gab es viel zu Lachen bei der Landesbühnen-Premiere von „Strick mit einem Ende“ am Sonnabend im Stadttheater Wilhelmshaven. Losgelöst von Zeit und Raum schickte Oberspielleiter Olaf Strieb sein Ensemble in bonbonfarbenen Kostümen diesmal auf eine hübsche Spielwiese aus überdimensionierten Stühlen (Ausstattung: Diana Pähler), in der sie wie Porzellanpuppen in einem Kinderspiel wirkten. Genau richtig für die schrille Posse nach Johann Nepomuk Nestroy, die sich jeder Lebenswirklichkeit entzieht. Deshalb war es klug, an diesem Abend keine jener nahe liegenden Zeit-Bezüge zu Liechtenstein, Steuer-CDs oder westerwelligen Dekadenz-Vorwürfen gegenüber Hartz-IV-Empfängern zu bemühen.
Geldgierige Witwe
Konsequent nutzt Strieb die Mittel des Volkstheaters für einen vergnüglichen Abend mit bewusst oberflächlichen Figuren. Protagonist von Lips, vorgestellt als „ein Kapitalist“, gibt sich nicht mal Mühe, seinen Reichtum und das Wissen um dessen Attraktivität zu kaschieren. Er müsse sich aufhängen, um mal in eine abhängige Lage zu kommen, sagt er und lässt den Strick dann doch fallen.
Ihm kommt eine bessere Idee. Er wolle die Erstbeste heiraten, denn die Ehe verspreche Disharmonie. Die ist mit der geldgierigen Witwe von Glanz ausreichend gegeben. Mathias Reiter und Julia Blechinger führen den Abend in den Hauptrollen mit ihrem exaltierten Spiel zum Erfolg. Sie wechseln gekonnt zwischen Wiener Zungenschlag und Hochdeutsch und machen das Bühnengeschehen für jedermann verständlich.
Auf einer zweiten Ebene sucht Seilermeister Faden (Aom Flury) mit seinem Gesellen Strick (Fabian Döring) nach dem großen Glück. Der Kapitalist Lips hat ihm aus Langeweile das Notwendige, jedoch nicht das Überflüssige, dazu versprochen. Natürlich verliebt sich Faden ausgerechnet in die Witwe Glanz und wird in seinen Forderungen bald unmäßig.
Erheiternd
Ein wenig Brecht’sche Moral, viel opulenter Wortwitz und ein Haufen durch die Luft wirbelndes Geld machen den Abend zum kurzweiligen Vergnügen. Die zehn Couplets nach der Musik von Erich Radke fügen sich nahtlos ein, wobei der Gesang eher erheiternde Qualitäten hat.
Karten: 04421/94 01 15
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